Ode an das Hatscherte.

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18. Juni 2022 von evakarel

Das Hatscherte mag ich so. Das Unausgegorene, den Unfug, die Detailverliebtheit, die plötzlich daherstürmenden Ideen und dann die Zeit, sie auszubrüten. Schau ich mir unlängst meine Homepage an und denk mir: Wahnsinn, schaut die selbstgebastelt aus. Wie unprofessionell ich wohl rüberkomm damit? Und warum rühr ich Depperl eigentlich nicht konstant die Werbetrommel für meine Bücher, meinen Lehrgang, meine Kurse und so? Da schreib ich mir jahrelang die Finger wund und jetzt überlass ich die Bücher ihrem Schicksal? Was mir da durch die Lappen geht, das ist doch gestört, samma uns ehrlich.

Es ist aber leider nun mal so, dass das genau dieser Detailverliebtheit, dem Bezärteln meiner Projekte entgegenstehen würd. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht, ich müsste Dünger draufkippen, mir professionelle Leute ins Boot holen, Gewinnmaximierung, Baby! Müsste in die Welt hinausplatzen, wie überaus einzigartigst meine Ausbildung für Yogalehrende ist und warum man sie unbedingt bei mir und keineswegs wo anders absolvieren MUSS. (Nur glaub ich halt, dass unterschiedliche Lehrende schlicht und ergreifend zu unterschiedliche Herden passen, ich keineswegs die Richtige für alle wär und bislang immer die Richtigen zu mir gefunden haben.) Ich könnt zickezacke Aufbauworkshops ausm Ärmel schütteln, bis das Atelier brummt vor lauter Ein- und Ausgehen. Nur mag ich die verträumten Ateliervormittage so, wenn die Neigungsgruppe Schabernack tüftelt, Nadine versehentlich Kaffee auf ihre Illustration schüttet, kurz flucht, dann aber einfach mim Kaffee weitermalt. Wenn Lena begeistert jede Anrufer*in begrüßt, als wär diese soeben frisch aus dem Ei geschlüpft. Wenn Anna hochkonzentriert schreibt, Fanni ihr Hundebäuchlein in die Sonne und allen, die vorbeigehen, entgegenhält und ich Ideen im Notizbuch landen lass. Manchmal hockt einer der Ateliersprösslinge mit glühenden Ohrwascheln über einer Hausübung, die Nudeln brennen an oder der besonders ambitionierte Malerei-Nachwuchs veranstaltet in aller Gemütlichkeit Farbmassakker. Ich WILL das Selbstgebastelte, fernab vom Maximum.

Für mich gilt das auch für die Yogapraxis. Ich mag fühlend in mich hineinkraxeln, mag meine vom Herzen kommende Aufmerksamkeit mit meinem Atem und den Positionen verbinden, die Praxis wird zu Meditation in Bewegung, ich treibe mich mäandernd im Spielraum herum, statt am Dehnungsmaximum herumzuhecheln. Ich erspüre, wo mein Körper hinzuwollen scheint, als würd ich innerlich behutsam an der Patina schaben, mich knotenlösend zu Werke machen. Und dann habe ich Platz in mir. Ich renke mir quasi via Körper Herz und Hirn ein. Ich schalte ein bissl auf Zeitlupenmodus, steig aus dem alltäglichen Reagiermodus und dem Hudln aus. Dem wohnt ja fast etwas Widerständiges inne: Gemütlichkeit als Widerstand gegen Hudlerei und Leistungsdruck. Da wird’s ja fast schon politisch auf der Yogamatte, gö?

Ich treff mich mit Dani am Yppenplatz und während wir futtern, denken wir gemeinsam über unsere Yogalehrenden-Ausbildung nach, betreiben Feinschliff, haben alle unter unseren Fittichen, weil wir nur eine einzige Gruppe pro Jahr begleiten.

Foto: Karin Hackl 2022

Die langhaxerte Dani und ich – das ist eine bald 20-jährige Liebesgeschichte, die tatsächlich im gemeinsamen Yogaunterricht begann. Selten vergehen Tage, an denen wir einander nicht hören, sie hat all meine Publikationen von der ersten Idee bis zum Feinschliff begleitet und dass sie jetzt Anatomie, Philosophie etc. in meinem Lehrgang unterrichtet, ist ein Glücksfall.

Wenn ihr glaubt, evtl. zur Herde zu passen: Im Herbst startet der neue Lehrgang, am Mo, 27. Juni gibt’s den nächsten Online-Infoabend um 20:30. Die Dani und ich freuerten uns auf euch! 🙂

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