Sei so lieb und geh sch***en, Impostor-Syndrom.

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12. September 2020 von evakarel

Das ist natürlich komplett super, wenn du fast speibert wirst angesichts der Tatsache, dass du zum Verlagsgespräch zwecks drittem Buch eingeladen wirst. Du wappnest dich idealerweise mit einer Extraportion Impostor-Syndrom und hauchst dir zärtlich: „Was bist du nur für eine großgoscherte Funsn, HMM!?“ innerlich entgegen. Du prognostizierst dir freundlich, aber bestimmt, zeitnah das Handwerk gelegt zu bekommen und womit? Mit Recht. Weil ewig kann man die Leute halt nicht pflanzen und irgendwann muss man richtige Arbeit tun, erwachsen werden und so. Nicht nur Geschichten schreiben und den Leuten erzählen, wie sie mit mehr Schmäh und ein bissl lieber mit sich selber umgehen können – Stichwort Om, Oida-Yoga.

Eventuell findest du dich dann dezent hyper bei der Verlegerin ein und schaust drein wie dieses Frettchen mit den aufgerissenen Augen, das in den 90ern, als du als Praktikantin in einer Firma herumgekrebst bist, im Büro hing: „I put red bull in my coffee and now I can see noises!!“

Die Verlegerin bietet dir wohlweislich Wasser statt Kaffee an, nickt freundlich und nur ein kleines Bissl irritiert, während du unkontrolliert unwichtige persönliche Details von dir gibst. Du denkst an die Freundin deiner Freundin, die ebenso inbrünstig wie maßlos verliebt in einen Kollegen ist und ihm gegenüber ständig geschmacklose Witze reißt, sich selbst dabei beobachtet, nicht aufhören kann und sich folglich bereits während des Palavers eigenhändig mit einem nassen Fetzen dreschen möchte.

5 – 10 Minuten später beruhigst du dich langsam und breitest fahrig gestikulierend 17 Post-Its, 23 ebenso handschriftliche wie chaotische Clusterings auf dem Tisch aus und wünschtest, du wärst wenigstens mit rotem Schal eingeritten, den du hin und wieder bedeutungsschwanger über die Schulter werfen könntest – ganz auf Künstlerin. Leider hockst du im Sackkleid und Birkenstockschlapfen vor ihr.

Der Verlegerin ist das dezent wurscht, sie findet jedes Post-It super, macht sich eifrig Notizen und veranschlagt als Erscheinungstermin Frühling 2022. Also wirst du ein Buch übers Schreiben fabrizieren – was sich anbietet, wenn du schon seit zehn Jahren an der Uni Schreiben unterrichtest, gern schreibst und Bücher verfasst. Trotz allem schaust du relativ belämmert drein, als du wieder raus gehst, willst jemanden anhupfen, aber die Kinder sind beim Papa. Und dann fällt dir ein, dass deine beste Freundin ziemlich krank ist. Also weinst du dem Hund ein bissl ins Gnack und weißt selber nicht so recht, ob das jetzt eher die Freude oder die Panik ist, weil du ohne die beste Freundin keinen Schritt durchs Leben machen magst.

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