alles.

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4. November 2016 von evakarel

allesKommen Sie näher, kommen Sie ran: Hier wird heute ein zusammenhangloses Konglomerat feilgeboten, jenseits stringenter Argumentation, fernab von Schlussfolgerungen, gespickt mit Ambivalenz, garniert mit einer Prise Widerspruch. Machen Sie sich gefälligst ihren eigenen Reim, ich selbst bin aktuell zu müde.

Wenn man dann lang genug nix gepostet hat, dann steht sie schon bei Fuß, die grundlegende Abwehr. Sie sagt wahlweise: Seawas! Weißt was? Interessiert eh keine Sau. Oder: Solltest schon etwas besonders Gescheites/Lustiges/Eloquentes fabrizieren, wennst glaubst, nur so spärlich aufkreuzen zu können. Ich kille jede kreative Regung mit dem Hinweis auf mangelnde Originalität bzw. potentielle Blamageoption. Das ist durchaus unangenehm, wenn man eigentlich Dinge rausschießen möchte – Texte, Bilder, Ideen – die dann aber aufgrund dieses Filters mit hämischen Abkanzelungen kandiert im namenlosen Äther hängenbleiben.

Die stummen Selbstgespräche sind eine eigne Liga. Eloquente Visage vorne anmontiert, steinhofreifer Pipifax knapp dahinter. Man fragt sich halt schon: Mit wem rede ich da eigentlich die halbe Zeit? Vor wem rechtfertige bzw. fürchte ich, bzw. welches imaginierte Publikum gedenke ich denn zu unterhalten? Und sind wir alle ein bissl hirnverbrannt, was unsere Selbstdarstellung betrifft? Ein Grund mehr, warum wir Yoga und Meditation brauchen wie ein Stückl Brot, samma uns ehrlich.

Es rennt beruflich grad so gut, dass ich jetzt damit rechne, demnächst würde jemand an die Tür klopfen und mich fragen, ob ich eh noch ganz sauber bin. Wie lang ich denn bitteschön gedacht hätte, dass sich die Farce aufrechterhalten lassen würde. Und ich würde ertappt die Schultern sinken lassen, aufs Land ziehen und fürderhin Sonntags Kuchen backen. Daraufhin kontere ich, was ich überhaupt gegen sonntägliches Kuchenbacken hab und ob ich mich gar zum Rundum-Hausfrauenbashing erfrechen möcht. Und ich antworte nervös neinnein, nur mir selber machts halt brutal Angst, diese Mutation zur komplett versorgungsorientierten Mutter und dass ich mich halt frag, in welchem Zwischenraum dann all das Übrige steckenbleibt, das sonst noch in einer wär, würd sie nicht nur Hintern putzen und Flaschis richten und ständig herumschurln, um Bedürfnisse 1.) zu erraten und 2.) zu erfüllen.

Gleichzeitig sitz ich mit den beiden Söhnchen auf dem Boden und meine Finger streichen durch kurzgeschnittene Locken und  ich  schnuppere im Vorbeigehen an weichen, kleinen Nacken und alles, was ich will ist, ihren Schlumpfstimmen zuzuhören, ihnen etwas Gutes zu kochen und nein, ich will die verfluchte Vorlesung zum Thema Forschungsfragen und Hypothesen nicht ausarbeiten, ich will ihnen Socken stricken. Ok, häkeln. Stricken kann ich nicht. Socken auch nicht. Aber Hauben. Hauben sind gut. Hauben will ich ihnen häkeln und dann will ich mich damit über sie stülpen und jede Sekunde aufsaugen (wenn sie sich nicht gerade die Goschn einhauen) und ich fühle mich wahnwitzig doppelmoralisch und nichts davon dringt nach draußen, Grabenkämpfe deluxe, aber alles hinter dieser Stirn, hinter dem Haarschopf, den die ersten grauen Haare zieren.

Könnte jemand so lieb sein, mir das Tempo etwas runterzudrehen? Hinschmeißen will ich alles, in einer verfluchten Jurte hausen, weil  -das wird mir endlich klar – die Stadt an allem Übel Schuld ist. Aber dann beruhig ich mich gschwind und deinstalliere wenigstens Facebook auf meinem Handy und komm mir vor wie eine halberte Nonne und die Tatsache finde ich wiederum so erbärmlich, dass ich mich frage, warum zum Geier ich glaube, mich eine Yogalehrerin nennen zu dürfen. Betrug! Alarm! Dann frage ich mich, wo ich eigentlich meine internalisierten Dialoge lukriert habe, lokalisiere vermutlich in der Vergangenheit wurzelnde Ursächlichkeiten und erstarre im Umgang mit meinen eigenen Kindern zur künstlichen Salzsäule, weil was wenn die mich irgendwann internalisiert in ihrem Schädel keifen hören?! Dann lasse ich Jesper Juul und all seine Kompagnions innerlich wissen, dass sie sich zum verfluchten Teufel scheren können und zwar schnell- mit ihren weisen Erziehungsratschlägen, ihrer Altklugheit, die sie selber als Eltern Nüsse gelebt haben aber jetzt als Großeltern publizieren. Danke, aber nein danke, sonst werd ich deppert.

Es ist schlichtweg zuviel für eine Person allein. Man braucht idealerweise mehrere verlässliche MitstreiterInnen, mit denen man beim Anblick der Brut gerührt seufzen und sämtliche Neuigkeiten besprechen kann (Wir raufen ja immer, gell? Ja und stell dir vor, der V. ist zwischendurch schon ganz schön wild, inklusiver halb-versehentlicher Headbutts. Da muss ich echt aufpassen. Übrigens, der J. kann jetzt xy lesen). Und natürlich, um ein Scheißdreck-Ventil zu haben. (Der V. hat mir meinen Vorderzahn absplittern lassen, verdammteSCHEISSE!!! Verstehst? Meinen fucking SCHNEIDEZAHN!! Per Headbutt!!).

Adieu!

7 Kommentare zu “alles.

  1. Karin sagt:

    Liebe Eva!

    Also…für mich ebenfalls alleinerziehendes Wesen eines 11 Monate alten Wirbelwinds sind deine Blog-Einträge der Silberstreif am Horizont nach schlaflosen von Grübelkreiseln durchsetzten Nächten, v.a. nachdem mich die Geburt meines Babyboys unfreiwillig von Wien Mariahilf in die oberösterreichische Pampa katapultiert hatte 🙂 Sogar gegen die recht hartnäckige postnatale Depression haben deine amüsanten Ergüsse effektiv geholfen 🙂 So sehr, dass ich einen eigenen Blog über diese ganze wahnwitzig lustige, schaurige und elementare Erfahrung in Arbeit habe 🙂 Ich danke dir unbekannterweise dafür, dass du auf so inspirierende Weise den Alltag mit deinen Zwergen mit mir teilst 🙂

    LG, Karin

  2. red sagt:

    Ich hab keine Kinder. Aber ich les deinen Blog einfach unheimlich gern. Wegen der Kindersache nämlich. Wann immer ich meine Eierstöcke rufen hör „Jö, so ein Butzi, das wär schon was und Zeit wärs auch langsam, tick tack, tick tack….“ (und das rufen sie mit fortschreitender Häufigkeit, jetzt wos auf den 30er zugeht) schreit hinten vor der Zweifel „Bist du wahnsinnig? Du und a Kind, schau dir doch bitte mal dei Wohnung an, du kriegst net mal den Haushalt gscheit auf die Reihe. An Bausparer hast auch net. Du hast keinen geordneten Lebensablauf und überhaupt, so a dezent suizidaler, hungriger, pupsender Zwerg in deinen Händen und du sollst den lebendig halten und möglichst noch a wertvolles Mitglied der Gesellschaft draus machen, das kann doch niemals gut gehn!“

    Und dann les ich deinen herrlichen Blog mit deiner ehrlichen Sicht auf alle Höhen und Tiefen und denk mir. Jo, einfach is es net, aber hinzukriegen. Auch wenn ma keinen 9-17 Uhr Job und keinen Soufflé-Meisterkurs und keinen Home-of-the-year-Award vorzuweisen hat. Dann denk ich ma immer, welche unfassbaren Energien Mamis in meiner Umgebung immer mobilisiern und frag mich, ob ich die auch hab. Und du hast die. Ganz unverblümt beschreibst du, wies dich anzipft und wo du anstehst, aber wies dann auf einmal klappt, wenn du deinen Instinkten folgst und dann glaub ich wieder, dass das tatsächlich keine Magie und keine Superkräfte erfordert und dass ich alles hab, was ich brauch zum Mami sein. Da hab ich dann wieder Mut, ums bald mal anzugehn.

  3. Sarah sagt:

    Großes Kino werte Frau Karel!
    Jeden Eintrag macht mirs warm ums Herz. Denn ich fühle mich verstanden, erkenne mich im geschriebenen wieder.
    Und auch wenns manchmal zum graue Haare ausreißen ist, weiß ich, ich bin nicht allein!
    Danke!!!
    Herzlichst Sarah

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