Ein kleiner Blick ins Yoga-Buchprojekt

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24. September 2016 von evakarel

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Gestern Abend hab ich im writers’studio aus meinem Yoga-Buchprojekt gelesen und ich würd den Textauszug gern mit euch teilen. Voilà:

Es ist 6:30, ich hab Schädelweh und muss zwei Kinder für Kindergarten und Schule fertigmachen. Auf meinem Yogitee-Beutel steht: „Aller Frieden liegt in dir.“

Und ich denk mir: „Geht’s doch einfach scheißen.“

Ich bin irgendwie nicht so für sülzige Sinnsprüche. Obwohl ich sehr fürs Yoga bin. Aber warum eigentlich? Wozu soll Yoga – abgesehen von körperlichen Effekten – gut sein? Und wenn es um Selbsterkenntnis statt Fitness geht: Wie egozentrisch könnte man dieses Unterfangen auslegen angesichts der Tatsache, dass währenddessen Aleppo zerbombt und der Hofer Norbsi womöglich Bundespräsident wird? (Bundespräsidentenwahl 2016-2018, ich war dabei!)

Ich beantworte die Frage, ob es uns zusteht, uns angesichts des Zustandes der Welt auf der Yogamatte auszuklinken, mit einem dezidierten Jein.

Nein zu Yoga, falls die Absicht lautet, Realitätsverweigerung anzupeilen. Das Mäntelchen des positiven Denkens über alles breiten und statt Zigaretten Räucherstäbchen inhalieren, quasi mir doch egal, ob Frauen in die Kniekehlen getreten, der Planet durch unseren Konsum zermalmt wird oder Flüchtlinge bootsweise ertrinken. Die viel gepriesene Happiness, die uns in sozialen Medien, Ratgebern und Artikeln um die Ohren geworfen wird, scheint mir verdächtig privilegierte, kurze, weiße Beine zu haben.

Ja zu Yoga, denn ich werde kaum Positives bewirken, wenn ich mich desorientiert und für alles auf einmal zuständig fühle. Dünn, schön Gut, ge­­scheit und gelassen wollen wir sein, nur leider gebärden sich die Selbstgespräche hinter unseren Stirnen häufig als astreine Kandidaten für die Klapse. Vor allem wenn man zu den tendenziell empfindsamen Exemplaren zählt gestaltet sich die Station Erde zuweilen als holpriges Terrain.

Dabei scheint mir das Leben nicht dazu entworfen, ständig vor Glück zu triefen, für mich geht es vielmehr darum, Klarheit und Boden unter meinen Füßen zu haben. Ich versuche, mir auf der Yogamatte eine ruhige Ausgangsbasis zu schaffen, denn es käme mir außerordentlich gelegen, zu wissen, was mich tatsächlich etwas angeht und was nicht. Gespür dafür zu entwickeln, wer ich bin, jenseits meiner Gefallsucht, jenseits meiner Angst vor Kritik. Denn fühle ich mich für alles zuständig, werde ich mich mit schlechten Nachrichten und vermutlich dem einen oder anderen Glas Rotwein volllaufen lassen, um anschließend auf meinem Fauteuil sitzen zu bleiben – depressiver Bronzeguss nix dagegen.

Ein weiteres Ja, weil ich eine weitaus erfreulichere Zeitgenossin bin, wenn ich mir das phasenweise Ausklinken verordne. – Quasi Yoga als Beitrag zum Weltfrieden.

Selbstverständlich trennen wir unseren Müll und schauen, dass wir regionales Biofutter auf den Tisch bekommen. Wir wollen gute Menschen sein, wenn wir ehrlich sind. Vermutlich möchten wir nicht so gern emotionslos funktionierende Zahnrädchen sein. Und deshalb knipsen wir die Stirnlampe an und rücken uns mittels Hatha Yoga selbst auf den Pelz. Wir üben, gut mit uns und unserem Körper umzugehen, wir verankern uns mittels Aufmerksamkeit immer und immer wieder im aktuellen Augenblick. Diese Aufmerksamkeit sickert in weitere Lebensbereiche und es wird schwieriger, ein egomanisches Kleinkind im erwachsenen Körper zu sein. Denn lasset uns den großen Willi Resetarits zitieren: „Es ist einfach so angenehm, wenn man kein Oaschloch ist.“ (Resetarits, 2016)

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Hier gibt’s noch mehr zu lesen: Ode an die Imperfektion. Teil 1 Stand 26. Juni 2016

Außerdem hab ich eine neue Unterseite hinzugefügt, auf der ich meine Schwester und mich als Yogateam vorstelle.

 

2 Kommentare zu “Ein kleiner Blick ins Yoga-Buchprojekt

  1. angelika sagt:

    ich liebe deine texte! freu mich jedes mal wie ein schwammerl wenn ein mail von einem neuen erguss kündet 🙂

  2. sarah sagt:

    jetzt wollte ich gerade schreiben, dass ich deinen blog liebe. steht jedoch schon einmal weiter oben. ich finde deinen blog absolut fantastisch und deinen zeilen gehn mir runter wie öl!!! danke!!!!

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