Die Elternschaft und die liebe Arbeit

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20. Mai 2016 von evakarel

zwei uniassistentenUni-Lehrveranstaltung mit großem Söhnchen hatten wir ja schon mal. Mit beiden ist es gleich noch erbaulicher. Und das geht so: Sie hypochondern morgens Halsweh daher, weswegen ich ihnen aufgrund akuten Zeit- und Babysittermangels die Radhelme aufsetze, sie Rucksäcke mit Spielzeug packen heiße und dann ohne viel nachzudenken mit zu meiner dreistündigen Lehrveranstaltung schleppe. Wir radeln also Richtung Campus. Sohn 2 im Radsitzerl mit Pippi Langstrumpf-Puppe am Schoß, Sohn 1 am eigenen Radl auf meinen Fersen. Wir fahren die Lazarettgasse runter, die Autos fetzen an uns vorbei, mein Blick wandert alle 4 Sekunden zu meinem Kompagnon hinter mir. „Schön am Rand fahren, Puppi!“ „Ja!!! Ich schau immer genau auf deinen Hintern!“ „Das ist gut! Aber halt Abstand, Schatzi!!“ „Jaaahaaa!“. Man scheißt sich tatsächlich bis zum Kragen an, aber es funktioniert.

Kurz darauf: Sie wuseln erfreut durch den Seminarraum, der Kleine trinkt auf meinem Schoß ein Flaschi und kokettiert dabei grinsend mit den Studis während ich  ihnen Textfeedback für ihre Masterthesen näherbringe. Gelegentlich hat die Brut dringende Fragen zu klären und blickt zwischenzeitlich vom Bilderbuch auf. Mein Schädel explodiert demnächst, aber ich steh ja im Training. Man muss das positiv sehen! Üblicherweise labern sie mir gleichzeitig in die Visage, aktuell versuch ich lediglich, Geistreiches von mir zu geben und maximal eines der Kinder ist mitteilungsfreudig. Die Studis stellen sich gemütlichst drauf ein und geben mir immer ein Stichwort, damit ich den Faden meines vorab Gesagten wieder aufnehmen kann. An dieser Stelle ein großer Knicks an die Schreibwerkstattbande.

In der Pause steckt die Studienprogrammleiterin den Kopf zur Tür herein und als ich gerade mein Herz darauf vorbereite, flugs Richtung Hose zu entfläuchen – immerhin habe ich mir nirgendwo den Sanktus abgeholt, die Brut mit zur Arbeit zu bringen – da grinst sie breit und fragt, ob sie die beiden kurz mitnehmen darf. Immerhin hänge im Institutssekretariat ein Babyfoto des großen Söhnchens, das müsse man doch glatt inspizieren gehen. Sprachs und verlässt mit der Brut den Raum, Babysitterin von Gottes Gnaden nix dagegen. Ich würd sagen, so schaut das aus, wenn man über Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf nicht nur gscheit daherredet, sondern Taten folgen lässt. War ich vorher ein bissl unkonzentriert aufgrund des Multitaskings (Ja, also jetzt fokussieren wir uns zunächst auf die Kernaussage des Textes… He, lass bitte das Rollo in Ruhe! … und spiegeln subjektiv, was wir wahrnehmen … Schaltest du bitte zackig den Beamer wieder aus? Danke… Wo war ich?), so bin ich es jetzt aufgrund astreinster Freude, die mir Mark und Bein infiltriert, ob dieser Aktion. Weil bitte? Wie selbstverständlich is diese Reaktion? Eben.

Das fröhliche Chaos des Vormittags gipfelt schließlich in der lautstarken Mitteilung eines Sprösslings, er müsse kacken, und zwar jetzt, nicht später, woraufhin ich den Bruder instruiere, ihn bitte hurtigst zum WC zu geleiten. Sie verlassen hopsend händchenhaltend den Raum, 5 Minuten später pirscht einer wieder herein. „Kannst du ihn bitte abputzen?“

„Sicher.“

„Er sitzt auf der Herrentoilette.“

„Sehr gerne.“

Der Hörsaal kreischt, die Stimmung wird von Minute zu Minute besser. Und dann geht es einfach sowieso nur noch mit Humor, weil Würde und intellektuelles Gehabe kannst dir dann ohnehin original einrexen. Irgendwann haben wir in den drei Stunden tatsächlich alles untergebracht, was ich vorhatte. Ein Hoch der Improvisation.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass am Sonntag Van der Bellen Bundespräsident wird.

Ein Kommentar zu “Die Elternschaft und die liebe Arbeit

  1. Pipa sagt:

    ir-gend-wann schaffe ich

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