drei!

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20. Oktober 2015 von evakarel

dreiHeute vor drei Jahren schob ich eine Kugel mit 120 cm Umfang vor mir her, Schlachtschiff nichts dagegen. Das große Söhnchen im Kinderwagerl, die schöne Schwester von ihrem Auslandssemester kurz übers Wochenende zu Besuch. Wir spazierten durch den dunklen Schubertpark, als endlich die Wehen einsetzten. Der kleine Kerl hatte offenbar auf das Eintreffen seiner schöne Tante gewartet.

Jetzt habe ich gerade die Mohntorte aus dem Backrohr geholt, die ich vorhin mit dem großen Söhnchen gebacken habe, mit dem ich mich heimlich aus dem Kinderzimmer abgehauen bin, sobald das kleine Söhnchen eingeschlafen war. Jetzt schlummern beide, ineinander verknotet, wie jeden Abend. Bon Iver singt Flume in Endlosschleife für mich während die Schokoglasur vor sich hin köchelt, die Smarties zwecks Verzierung stehen schon habt Acht. Schön.

Nicht schön: Am Nachmittag weich ich die Brut in der Badewanne ein und schnapp mir den Superkleber aus dem Vorzimmerkastl, um ein zerbrochenes Holzbrett zampickenderweise wieder seinem Originalzustand zuzuführen. Leider hauen sich die Hugos just in diesem Moment die Pappn ein. – Aus dem Badezimmer dröhnt Zeter und Mordio, ich werfe alles von mir und jage zum Einsatzort. Eine 5-minütige Brülltirade meinerseits und 5 Minuten Überschwemmungstrocknung des gesamten Badezimmers später erblicken meine trüben Augen: Der Superkleber hat sich gründlich der Küchenarbeitsplatte angenommen und ist ob dieser neuen Verbindung offensichtlich wahren Begeisterungsstürmen anheim gefallen. Jedenfalls ist er gänzlich unwillig, in näherer Zukunft den Rückzug anzutreten. Arbeitsplatte, hat er sich gesagt, Arbeitsplatte, ich steh ein bissl auf dich, samma uns ehrlich. Lass uns den Bund fürs Leben schließen, solange die Oide noch drüben die Badezimmerfliesen anflucht. Die Arbeitsplatte ihrerseits war diesem Ansinnen höchst zugeneigt, keinerlei Veto ihrerseits, ebenso lautstarkes wie vergebliches Veto meinerseits.

Beim Schlafengehen verkündet das morgen also dreijährige Früchtchen meines Leibes, der Bruder sei sein Lieblingsbruder, er möge ansonsten leider niemanden. Moment, korrigiere: Abgesehen natürlich von der Spiderman-Duplofigur, die der Opa heute kredenzte. Und ich denk mir: Das Leben aus Dreijährigensicht ist irgendwie ein Trampolin – von fetzgeil nahtlos zu Krokodilstränen, von „lass mich, kann ich SELBER“ zu „ich bin quasi erst gestern geschlüpft und möcht mich primär an der werten Frau Mutter anpicken, bittedanke“.

Morgens fetzt du auf dem Laufrad deinem Bruder Richtung Kindergarten hinterdrein, spendest sämtlichen Anwesenden dort ebenso wortgewaltige wie kuschelintensive Begrüßungen, bevor ich mich Richtung Uni schleich. Willensschwäche kann man dir keineswegs andichten, dein unglaublich herzliches Wesen keinesfalls in Abrede stellen.

Wie schön, dass du geboren bist, kleine Maus!

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