Reise-Resümée

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9. März 2015 von evakarel

reise-resümeeIch sag’s euch, es war einfach so wunderbar in Indien. Zwei Wochen Leerlauf, Yoga, Leerlauf, spannende Leute, Leerlauf, Yoga, lesen, Leerlauf, schreiben. Da renken sich Hirn und Herz ein, dass man nur so staunt. Ich fühl mich, als hätte mich jemand auf ein Katapult manövriert und aus dem Trott geschossen. – Ein sehr angenehmer Nebeneffekt, sich wieder mal mit lauter Aussteigern und Scheiß-mir-nix-Leuten zu umringen. Denn dann merkt man erst, wie viel Handlungsspielraum im eigenen Leben eigentlich besteht, wie wenig an To-do-Sachen tatsächlich in Stein gemeißelt sind. Arbeit ist nur Arbeit – so what. Kinder großziehen wirkt zuweilen wie eine Wissenschaft an sich – und gleichzeitig wär’s vielleicht gar keine blöde Idee, mir viel Hirnwichserei zu sparen und sie einfach instinktiv, frei Schnauze groß werden zu lassen. Perfekt bekommt man’s schließlich ohnehin niemals hin und Marionetten, die versuchen, alles richtig zu machen, sind vermutlich auch nicht gerade die Rolemodels, an denen man sich als kleiner Mensch gern festhält.

Das alleine Fortfahren hat also sehr gut funktioniert. Ich hab meine Zeit alleine sehr genossen und bin dann wieder gern heimgekommen. -Was angesichts der vielen Freudentränen, die beim Wiedersehen geflossen sind (auf die Knie sinken, sich zu einem Knäuel verstricken und sehr, sehr glücklich sein), sehr berechtigt war. Schattenseiten hat es aber natürlich auch. Denn es fällt mir zwischendurch gar nicht so leicht, mich wieder in dieses ständig andere Umsorgen hineinzuleben. Das große Söhnchen und ich liefern uns zuweilen ordentliche Zwistigkeiten, er dreht so lange am Rad, bis ich brülle und mich zeitgleich als pädagogisch inkompetentes Arschloch wahrnehme. Und dann? Dann wache ich letzte Nacht auf, weil irgendjemand meinen Arm streichelt. Ich hebe ein Augenlid, schau in ein selig lächelndes Kindergesicht und geh in die Knie vor Rührung. Wir legen stumm unsere Stirnen aneinander und sinken wieder in den Schlaf.

Ich würde am liebsten vor Tatendrang die Welt niederreißen, große Reisen mit den Söhnchen unternehmen. Das wäre beruflich bei mir gut möglich, liegt doch ein riesiger Vorteil meiner vermeintlich „prekären“ Arbeitsverhältnisse i.e. Uni-Semesterverträge und ansonsten Selbständigkeit darin, im Sommer 3 Monate und im Februar 1 Monat frei zu haben. Doch hier kommt ein Haken getrennt erziehender Elternschaft ins Spiel: All das darf ich nicht allein entscheiden. Ich kann nicht einfach beschließen, mich etwas zu trauen, ich brauche stets den Sanktus des zweiten Elternteils. Und auch wenn das natürlich Sinn macht – die Kinder ‚gehören‘ mir schließlich nicht – es fühlt sich durchaus nach Strick um den Hals an. Lösung habe ich diesbezüglich leider noch keine in petto.

Ein Kommentar zu “Reise-Resümée

  1. Markus sagt:

    Liebe Eva,
    Deine Zusammenfassung hört sich für mich als Leser sehr rund an. Erzählungen, die zu einer Frage hinführen und damit enden, vermitteln für mich eine besondere Energie und Freiheit.

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