Stressresistenz quasi zweiter Vorname

Hinterlasse einen Kommentar

11. Februar 2015 von evakarel

Indien heisst auch, mitten in der Nacht aufzuwachen, weil den geriatrischen Sadhu im Nebenzimmer die Blase zwickt, er umstaendlich am Stock zur Zimmertuere schlurft, diese mit lautem Gepolter oeffnet und er sich dann dazu bewogen fuehlt, direkt vor die Zimmertuer zu brunzen, weil das Haeusl 20m weiter gar so weit entfernt laege. Das wiederum bedeutet, dass einem die Brunzwolke direkt ins Zimmer kriecht – weil dicht wie ein Vogelhaus – und man sich einen Schal ueber Nase und Mund installiert, um wieder halbwegs Frieden mit Indien schliessen zu koennen.

Bis gestern war ich ein ungetruebtes glueckliches Waesserchen, eins mit mir und der Welt, quasi Indienflow deluxe. Flug super, Ankunft in Rishikesh super, ein paar Tage mit Silberblick herumstapfen, weil immerhin  hat man hier vor 11 Jahren seine Weltreise gestartet und wenn du da nicht nostalgisch wirst, bist du ein bissl emotional authistisch, wennst mich fragst. Ich wohn wieder in dem baufaelligen Ashram, in dem ich vor 6 Jahren auch abestiegen bin, eine Freundin aus Colorado ist da und hat mich unverzueglich ihrer Herde angeschlossen, die aus einer Italienerin, einem Columbianer, einem Norweger und einem Nepali besteht. Wir kochen, wir tratschen, wir gehn 1-2x taeglich zum Yogaunterricht, wir lassen uns die Sonne aufs Hirn scheinen, wir waren auf einem Konzert und morgen veranstalten wir ein zuenftiges Feuer am Gangesufer, weil die Italienerin ihre YogalehrerInnenausbildung abschliesst. Ich hab mir einen zuenftigen Muskelkater zugelegt und geniess es masslos, Schuelerin statt Lehrerin zu sein. Alles in allem: Chapeau!!

Bloederweise hab ich dann gestern daheim angerufen und erfahren, das kleine Soehnchen liegt marod in der Hapfn. Da ich leiderleider eine Handvoll Tausend Kilometer entfernt bin und somit sein Kopferl nicht kraulen kann, musste ich bis nach Mitternacht Wolf Haas‘ „Brennerova“ lesen, Kopfhoerer auf 180 Dezibel, und den Test starten, wieviele Schokokekse auf einmal in mir Platz finden, bis ich mich wieder halbwegs beruhigt hatte. – So handhabt das eine erfahrene Yogalehrerin, schaut’s her! Stressresistenz quasi zweiter Vorname, ich bin stolz. Jedenfalls hab ich dann nach Soehnchen-Hiobsbotschaft, naechtlicher Sadhu-Brunzaktion und dem damit einhergehenden Wenig-Schlafen den morgendlichen Wecker, der mich zur 7:30 Yogastunde bezirzen haette sollen, lediglich mit einem hoehnischen Grunzen bedacht und bis 10h weitergeschlafen. Denn die grosse Herausforderung daran, diesmal nur so kurz unterwegs zu sein lautet: Nur ja nicht versuchen, der Reise das Maximum an Erfahrungen herauszukletzeln. Sonst komm ich geraedert heim und beiss mich darob in den Allerwertesten. Und so schad waer das, weil samma uns ehrlich – die Tage haben sich bisher aufs Wunderbarste gebaerdet, extraordinaer Hilfsausdruck, wuerde Wolf Haas jetzt schreiben. (Danke V. fuer den Literaturtipp, uebrigens!!)

«

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: