Indien, ich komme.

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4. Februar 2015 von evakarel

indien, ich komme1Die Söhne beobachten mich mit schief gelegten Köpfchen, wenn ich – von akuter Vorfreude befallen – zu lauter Musik durch die Wohnung hample.

Ich bin sehr aufgeregt. Am Samstag fliege ich nach Indien. Zwei Wochen werde ich alleine unterwegs sein, mir den Yogaunterricht intravenös verabreichen, dem Schreiben frönen und ansonsten auf der Veranda geradeaus schauen. Meine erste Reise alleine, seit ich Mutter geworden bin. Was früher normal war, fühlt sich jetzt ungewohnt an. Anders.

Die letzten Tage vergehen, alle Prüfungen sind benotet, alle Hausübungen korrigiert, alles fürs kommende Unisemester vorbereitet. Es kann losgehen. Ich könnte die halbe Stadt zusammenbrüllen vor Freude, weil ich endlich mal kinderlos in die Welt ziehen werde und zeitgleich Rotz und Wasser plärren, weil ich eben kinderlos in die Welt ziehen werde, es ist ein Gwirx.

Nun liegt der Februar frei vor mir und die Tage laufen in jener Detailverliebtheit ab, die ich mir damals von der Yogamatte gepflückt habe. Da marschiert man an grauen Morgen durch gschissenen Schneeregen in Richtung Kindergarten und bemerkt den gschissenen Schneeregen kaum, weil sich eine kleine links und eine sehr kleine warme Hand rechts in die eigenen legen und man möchte auf der Stelle zerrinnen aufgrund dieser Mischung aus Rührung, Stolz und Abschiedsschmerz.

Die Tage vergehen und das Aufeinandergeklebe mit der Brut wird immer klebriger – man möchte sie an sich anmontieren, schnuppert ständig an diesen Kinderköpfen herum und verteilt aufs Maßloseste Küsse und Umarmungen. Die Nächte werden unterbrochen von ‚Mami? Mir kus-eln!‘-Rufen und man flucht nicht, sondern schlurft belämmert grinsend ins Kinderzimmer, um sich in die aus dem Deckenknäuel emporgestreckten Ärmchen zu schmiegen, die sich gierig um den Hals schlingen… Und speibt sich fast ein bissl an vor Abschiedsschmerz, bevor der Blick auf den lange verwaisten Tramperrucksack fällt und einem erneut die Vorfreude ins Gebein fährt und jede Zelle aufs Aufdringlichste infiltriert. Es wird Zeit, dass der Flieger startet, sonderlich zurechnungsfähig fühlt sich der Zustand langsam nicht mehr an, samma uns ehrlich.

Am Samstag werde ich in Delhi landen und von dort dann per Bus weiterfahren. 6 Jahre war ich nicht mehr dort. Es wird meine vierte Indienreise. Allein, weil reisen alleine großartig ist.

Gut, also kann jetzt bitte Samstag sein und ich spür, wie der Flieger abhebt? Bitte gleich? Waaaah!!!! 🙂

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Ein Kommentar zu “Indien, ich komme.

  1. Eine schöne Reise und nicht zu viel Mamaherzkummer wünsche ich Dir 🙂

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