Sohn renkt Mutter Schädel ein

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30. Oktober 2014 von evakarel

Also Folgendes: Objektiv betrachte hab ich höchst erfolgreiche Wochen hinter mir. Den Ambitionen meines Hirns, mir dennoch zeitnah eintretendes, dauerhaftes Ohrensausen, gepaart mit einer Handvoll unschöner Ticks, garniert mit dem einen oder anderen cholerischen Anfall zu prognostizieren, tat dies allerdings keinen Abbruch, es war sehr unerfreulich. Wie immer spielen hinter meiner souveränen Fassade zarte Hysterie und nicht so zarte Blamageangst Pingpong hinter meiner Stirn.

Zugegeben: Ich hab mir für dieses Semester ein bissl viel vorgenommen und nachdem ich das nicht irgendwie, sondern super hinbekommen will, wälze ich 17 Bücher gleichzeitig und hab im Schädel ständig irgendwelche Vorlesungskonzepte herumschwirren, beantworte Mails, zwicke  zwischendurch das krankenlager1Buchprojekt rein und pflücke dann schnell die Kinder vom Kindergarten. Mein Schädel hat Kaugummikonsistenz angenommen, doch ich hoff, mich demnächst in meine neue Rolle hineinzuentspannen. Immerhin hab ich durch die Bank gute Stimmung und positives Feedback während der Lehrveranstaltungen erlebt. Von Einführungen ins wissenschaftliche Arbeiten über Creative Writing bis hin zu Schreibwerkstätten für Abschlussarbeiten. Ich reiß mir einen Haxen aus, damit die Einheiten tatsächlich etwas bringen, ich quatsche sie nicht zu, sondern diskutiere mit ihnen, lasse sie 117 Freewritings machen, klettere aufs Pult, hampel ihnen ein paar Yogaübungen vor und verdonnere sie zum Nachmachen. – Mit erstaunlichem Erfolg – danach sind sie glasklar im Schädel – wie blitzeblank geputzt! Es läuft eh super, ich fürcht mich halt trotzdem.

Und dann erwacht das bald fünfjährige Söhnchen heute morgen mit glühenden Wangen und klebt seither mit seiner Nase unterhalb meines Ohres fest und will getragen werden. Fazit: Der Workaholic-Modus fällt für heute aus. Wir schaun ein Bilderbuch des kleinen Bruders an. Kinder stehen rund um eine Wiege.

krankenlager2„Schau, lauter Joghurtbecher und warum liegt in der Wiege eine kleine Kuh?“

Das Glühwürmchen wiehert erfreut in meinen Hals.

„Na seawas und warum hat die Affenhorde ein Schwimmbad?“ frage ich, auf die gemalte Sandkiste deutend.

„Das sind keine Affen, das sind Gurken!“

„Gurken und Knödel!“

Langsam kommt der Siechende endgültig in Fahrt: „Kuhkacke, Elefantenkacke, Affenkacke!“ tiriliert er, auf eine Prinzessin, einen Hund und ein Karussell zeigend.

krankenlager3„Heast, was treiben die Dinosaurier da?“ echauffiere ich mich, auf kochende Kinder zeigend.

„Schneiden, kacken, schnitzeln.“ gibt mir der Siechende kompetent Auskunft.

Ich werd gleich deppert vor Freude. Was bittesehr kann mich besser aus meiner Hirnwichserei manövrieren, als Zeit mit diesen meinen ganz privaten Hofnarren?  Ein Hoch der Mutterschaft.

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