Kreativ und produktiv. Die 6-Schritte-Methode :)

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5. Oktober 2014 von evakarel

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Foto: Simon Zechany

Mir trieft die Umtriebigkeit ja aus den Ohrwascheln, ich werkel meistens an vielen Projekten gleichzeitig und grad frage mich: Warum funktioniert das eigentlich?

Aktuell bereite ich vier Uni-Lehrveranstaltungen vor, die in einer Woche starten, halte zwei Yogakurse wöchentlich, schreibe an einem Buch, bin mal mehr, mal weniger im Atelier malen, lektoriere wissenschaftliche Texte und ziehe meine beiden Burschen groß.

Weil es ein paar handfeste Gründe gibt, warum das für mich grad so hinhaut, hab ich mir gedacht – die trage ich jetzt mal zusammen. Hier meine ganz persönliche Methode:

  1.  Begeisterung
  2.  Schreiben
  3. Zeitplan
  4. Trödeln
  5. Yoga
  6. Fluchen

Und schon geht’s los:

1.) Begeisterung. Wenn ich daran denke, was mir während der Schulzeit so an Glaubenssätzen eingetrichtert wurde, dürfte es mich heute gar nicht geben. Es seien keine Lücken im Lebenslauf zu generieren, auf die ökonomische Verwertbarkeit der Ausbildung sei tunlichst zu achten, man möge ab der Matura bittesehr das zeitnahe Einzahlen in eine private Pensionsvorsorgekasse in Erwägung ziehen. Genau. Und was man eigentlich will, erledigt man dann in Volkshochschulkursen und im Hobbyraum, fein! Das soll tun, wer das tun möchte, ich für meinen Teil wollte mir angesichts der Prophezeiung ins Hirn schießen. Also habe ich schleunigst eine zweijährige Lebenslauflücke aufgrund von Reisen aufgerissen und danach eine brotlose Geisteswissenschaft studiert, viel gemalt und geschrieben und dafür kein einziges Praktikum absolviert. Davon lebe ich seit 8 Jahren und es läuft (ok, mit Höhen und Tiefen) gut. Weil ich das, was ich unterrichte, LIEBE. So sülzig und abgedroschen das auch klingt. Und: Weil ich nicht vor mich hinträum und warte, bis ein Täubchen gebratenerweise in Richtung Mund zu fliegen beginnt, sondern versuche, meine  Begeisterung in Produktivität, in etwas Kontinuierliches und ökonomisch Verwertbares zu übersetzen.

2.) Schreiben. Die meisten Dinge setze ich in die Tat um, weil ich seit Jahren diese Angewohnheit des täglichen Schreibens hofiere. Ich kippe die diffus in meinem Schädel herumschwirrenden Gestörtheiten handschriftlich aufs Papier, jammere Collegeblöcken die Ohren voll (‚Ich trau mich dies nicht, mich zipft jenes an und übrigens glaube ich, liebes Tagebuch, meine Yogaschülerinnen sind aktuell der Meinung, ich sei ein witzloses Hampelmännchen, schließlich habe ich mich unlängst nicht entblödet, dieses oder jenes zu verzapfen. Abgesehen davon stapelt sich die Schmutzwäsche und ich hab den Kindergartenbeitrag noch nicht bezahlt.‘). Nach 10-15 Minuten ist das Gesemper heraußen und ich frage mich schreibend, was mich denn sonst noch so beschäftigt. Da geht es dann um Befindlichkeiten, Wünsche, Kurse und Seminare – welche ich wann anbieten möchte, was mich an den Inhalten fasziniert, etc. Ich denke das schreibend durch. (‚Jetzt werd ich also ab nächster Woche diese StudienanfängerInnen unterrichten. Wie zum Geier soll  ich ihnen vermitteln, was an wissenschaftlichem Arbeiten so faszinierend sein kann?‘) Auch darauf antworte ich handschriftlich. (‚Ich könnt’s ja mal mit meiner eigenen Geschichte versuchen. Erzählen, wie sehr ich mich an der Uni als Würschtl gefühlt hab, immer darauf bedacht, nicht aufzufliegen, während ich mich mit einem vermeintlichen IQ von 80 durchs System scheiße, blablabla‘).

Ich erschreibe, was ich tun werde, was der nächste konkrete, kleine Schritt ist. Und dann tu ich’s.

3.) Zeitplan. Gemütlich in den Tag hineinleben spielt es aktuell nicht. Ich vermerke mir Termine im Kalender, damit ich alles unterbringe und jede Woche arbeitstechnisch anders aussieht. Das mag kompliziert klingen, aber ich steh drauf. Während Rhythmus und Struktur im Rahmen eines Vollzeit-Jobs für viele gut funktioniert, war die Vorstellung für mich immer ein Abgrund. Während der kommenden Woche unterrichte ich nur 2x abends Yoga und hab ansonsten keine Fixtermine. Damit die Projektideen Früchte tragen und nicht in irgendwelchen Schubladen versiffen, schaut mein Plan für die kommende Woche zB. folgendermaßen aus:

Montag: Leinwände und Farben fürs Atelier besorgen. Text lektorieren.

Dienstag: Schreibtreff mit zwei anderen Schreibenden im Kaffeehaus zwecks Buchprojekt.

Mittwoch: Lehrveranstaltung konzipieren, Handouts drucken, Zahnarzt.

Donnerstag: Lehrveranstaltung konzipieren, Text lektorieren.

Freitag: Schreibtreff zwecks Buchprojekt.

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Foto: Simon Zechany

4.) Trödeln. Wir sind keine Roboter, also mag ich erst gar nicht versuchen, mir die größtmögliche Produktivität rauszuwürgen. Ich pilgere von der Wohnung zum Kindergarten, von dort ins Atelier/zum Schreibtreff/ ins writers’studio/zur Uni, von dort heim, einkaufen, Haushalt schupfen, dann um 14h wieder Richtung Kindergarten. Ein wahrer Clou für mich ist (wie ich vor kurzem herausgefunden hab), die Wege dazwischen  g e m ü t l i c h  zurückzulegen. Ja nicht versuchen, ein paar Minuten herauszuschinden.  Immer schön dahinflanieren oder -schlurfen, in den Himmel schaun, das Gearbeitete verdauen und dann gemächlich weiter im Tagesablauf. Beim Kochen z.B. überlegen, wie ich dieses eine Kapitel strukturieren könnte.

5.) Yoga. Nichts stopft meinem Hirn derartig Ohropax rein, wie Yoga. Fuß auf die Yogamatte, Zeitlupe an, Hirnfasching Pause. Danach bin ich wieder sehr bereit, mit einem Arsch auf 5 Kirtagen zu tanzen.

Foto: Simon Zechany

Foto: Simon Zechany

6.) Fluchen. Fluchen, fluchen, lasst und die Wichtigkeit des Fluchen niemals missachten! Ein gar prächtiges Ventil, denn ja, das Selbstbewusstsein gebärdet sich zuweilen wie ein Scheißhäusl und dann hab ich jeden Tag 3x Angst, meine Existenzgrundlage zu verlieren, eine beschissene Mutter zu sein, nie wieder geliebt zu werden oder worden zu sein. Ich prophezeie mir zuweilen spätestens im nebligen, feucht-kalten November das Zusammenklappen des Kartenhauses. (‚Hast geglaubt, mit so viel Spielen kommst durch, gell? Tua di net teischn.‘) Natürlich hopse ich nicht stets optimistisch-naiv über imaginäre Blümchenwiesen und gratuliere mir dabei zu meiner offensichtlichen Großartigkeit. Fluchen und Galgenhumor – in Kombination mit den liebsten Menschen um mich, die teeschlürfend auf meiner Couch übernachten, nachdem wir stundenlang meine pädagogischen Unsicherheiten zerpflückt haben – wirken dabei jedoch Wunder. Ohne sie wäre ich ein ordentliches Lulu, samma uns ehrlich.

Zum Glück müssen wir’s nicht allein schaffen.

Und? Welche Tipps habt ihr noch so auf Lager? Sprecht, sonst bombardier ich euch gleich mit einer neuen Liste!

4 Kommentare zu “Kreativ und produktiv. Die 6-Schritte-Methode :)

  1. Hat dies auf Schreibstudio rebloggt und kommentierte:
    Erfrischend: EVA BLOGGT: wie man viele Kreativ-Projekte unter einen Hut bekommt

  2. cloudette sagt:

    Fluchen ist gut! (so lange die Familie das miterträgt – das ist hier manchmal grenzwertig). Ansonsten hilft bei mir eigentlich nur eines: „Feuer“. Also Begeisterung. Dann kann ich stundenlang an etwas sitzen. Und dabei möglichst wenig herumsurfen und auf keinen Fall vergleichen, was die anderen Supertolles hinkriegen.

  3. Marie sagt:

    Liebe Eva,

    ich verfolge deinen Blog nun schon sein längerem. Ich finde es immer wieder ermuntert zu lesen, dass es anderen Müttern genauso ergeht wie mir (Situationen mit den Kindern, Haushalt, etc). Ich bin nämlich auch Mutter von 2 Kindern (5 und 2 Jahre alt) und versuche nebenbei mein Studium abzuschließen. Ich freue mich über deinen aktuellen Blogeintrag, weil ich mich stets gefragt habe, wie du das alles schaffst. Ich schaffe es nicht mal eine einzige Hausarbeit zu schreiben, geschweige denn ein Thema für meine Masterarbeit zu finden.

    Seit einiger Zeit versuche ich mehr zu schreiben, täglich, und ich glaube hier liegt der Clou, bzw. ist mir das aufgefallen, wieso Dinge, wenn man sie schriftlich festhält irgendwie eher erledigt, als wenn man es sich nur immer wieder vornimmt ohne sie aufzuschreiben. Ich musste beim schreiben an einen Haufen Wolle denken. In diesem Haufen Wolle stecken unendlich viele Ideen, lose Gedanken und Millionen Pläne drin. Und durchs Schreiben spinnt man einfach einen gedanklichen Faden. Ja, man spinnt beim Schreiben einen festen und nachvollziehbaren Faden aus einem großen Haufen loser Gedanken und flüchtiger Ideen, und diesen Faden lässt es sich viel leichter zurückverfolgen, festhalten und weiterspinnen. Man kann darauf zurückgreifen, ihn beiseite Legen oder noch einmal nachvollziehen, wenn man sich später an seinen Gedankenfluss zurückerinnert.

    Trotzdem komme ich oft nicht zu Potte, ich kriege die Kurve nicht, wenn es darum geht tatsächlich, in echt, drauf los zu arbeiten in den 4 Stunden die mir täglich zur Verfügung stehen. Ich setzte mich hin, schreibe, will dann arbeiten, checke aber stattdessen meine Emails, lese Blogs *g* erledige wichtige Telefonate, mache einen Kaffee und bums, schon ist die Zeit rum und ich muss meine Kinder von der Kita abholen. Hast du einen Tipp? Einen Geheim-Schritt deiner Methoden, um den Schweinehund im richtigen Moment zu überwinden?

    Mehr schreiben, mehr Yoga würdest du mir raten, gell? Freitag früh geh‘ ich zu einer ersten Probestunde Yoga 😉 ich bin gespannt ob es hilft.

    Nun gut, also Tipps habe ich keine auf Lager wie man Projekte anpackt und durchzieht, ich klau‘ jetzt erstmal deine und halte dich auf dem laufenden 😉

    LG
    Marie

  4. […] damit ich meine Projekte unterbringe, müssen die Kinder und ich ein Team sein. Was mir dabei ganz wichtig ist: Sie sollen […]

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