schönreden? fix!

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11. Mai 2014 von evakarel

duoIch heb das schlafende kleine Söhnchen vorsichtig aus dem Sitzerl, er liegt wie ein warmes kleines Katzerl über meiner Schulter und ich atme scharf ein vor Rührung. Diese Stillstand-Momente, weil sie so lieb schaun, so gut riechen, oder prächtigst deppert sind. Hat die Natur geschickt eingefädelt, muss man das eigene Leben für diese Bälger doch zünftig umstellen.

Umstellen, HA! Zack, sind sie da und man schaut belämmert, weil man sich diese Rundum-Okkupation zuvor ja gar nicht vorstellen kann. Man weiß ja auch nicht, was man kriegt – wie diese Sprösslinge so drauf sein werden. Es ist so gesehen völlig jenseits, Kinder zu bekommen. Doch hier kommt Trick siebzehn zur Anwendung: Schönreden. Hilft in allen Lebenslagen. Auch bekannt als ‚das Glas ist entweder halb voll, oder halb leer-Litanei‘, ist die Frage doch stets: Wie interpretiere ich die Situation und worauf richte ich meinen Fokus? Spotlight auf Schlafmangel, Gespiebenes und Trotz wirken sich auf das Seelenheil der Mutter tendenziell suboptimal aus. Der Fokus ‚ja, es ist sechs Uhr früh am Sonntag und es ist gottverd****sch***nochmal sogar MUTTERTAG, undankbares Trum, aber jessas, wie herzig der sich in meine Armbeuge kuschelt und jö, jetzt hält er mir seine nackigen Zehen hin, kommandiert: „Beiße!“ und will angeknabbert werden‘ – dieser Fokus, gepaart mit Galgenhumor und der wilden Entschlossenheit, an Regentagen herumwaberndem Pessimismus die Schneid abzukaufen, erweist sich als weitaus förderlicher für die psychische Gesundheit. Das und ganz wichtig: Freunde und Freundinnen im selben Boot.

Kinder sind nicht perfekt, nona. Man schielt abwechselnd aufgrund von Anstrengung und einem ins Gebein fahrender Zuneigung und liebt sie halt eh immer trotzdem. So ist das mit den wirklich wichtigen Menschen generell ein bissl, net woa? Man redet sie sich ein bissl schön, konzentriert sich auf die guten Seiten, weil man sich dazu entschließt, mit diesen Menschen leben zu wollen und wir hier nicht im Selbstverbesserungsbootcamp hocken. Alle Menschen, die ich sehr liebe, haben ihre individuellen Klescher und ich befürworte das zutiefst, ist es doch genau so um mich bestellt. Wir alle tun vermutlich unser Bestes und sind trotzdem zuweilen hundsmiserabel anstrengend, kleinlich, großzügig, fad, lieb, trotzig, kochen mal gut, mal unter aller Sau, wollen die Welt retten und kaufen dann doch ein Auto, wir haben gute Phasen und auch zache und wir lieben uns eh meistens trotzdem. Ich finde das schön.

Apropos Galgenhumor und Freundinnen im selben Boot: Heute kredenzen V. und ich uns selbst ein Muttertagsfrühstück. Draußen schüttet es wie aus Kübeln, alle vier Kinder sind halbwegs schlecht gelaunt, wir üben uns in buddhistisch-gelassenem Gleichmut. Die beiden 1,5-Jährigen spielen zu unseren Füßen unterm Tisch, sie zischt im Flüsterton hinunter: „Muttertog is! Oiso wos is jetz mim Gedichterl, HA? Za wos hob i di aussapresst, Gfrast?!“

Die Kinder ignorieren uns, wir kichern hysterisch und futtern weiche Eier.

Ein Kommentar zu “schönreden? fix!

  1. Margot sagt:

    Ich tu jetzt mal lieber schönlesen, sonst werd ich nie eigene Kinder haben ;-)!

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