Schlankheitswahn, du kannst dich brausen.

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13. April 2014 von evakarel

kaugummiautomatIch war immer schon ein gemütlich gepolstertes Durchschnittsfigürchen vor dem Herrn. 20 kg rauf und wieder runter dank Schwangerschaften und tatkräftiger Mithilfe der Schwerkraft haben mittlerweile ihre Beulen hinterlassen. Dann kam die Trennung und jetzt schau ich aus wie damals in Sri Lanka nach der Ruhr.

Dort gab ich vor 12 Jahren innerhalb weniger Tage sämtliche Kilos durch den Hinterausgang ab und fand das sogar noch höchst erfreulich, war es doch erklärtes Ziel, EINMAL klapperdürr, putzig und hilfsbedürftig daherzukommen. Nachdem ich mich etwas bleich um die Nase mit dem Tuktuk im Krankenhaus in Kandy eingefunden und leider falsch behandelt wurde, sich die Ruhr daher nicht und nicht verzupfen wollte, trat ich den Rückzug ins Meditationszentrum an. Ich sagte mir: Schatzi, es wird ein Reinigungsprozess sein, gell? Von der spirituellen Sorte. Ein Reinigungsprozess, den dein Körper durchläuft, jetzt, wo du gar so brav meditiert und yogiert hast.

Aber nix da, die Wangenknochen wurden immer spitzer, es ging mir übelst. Dann traf eines Tages ein gut gelaunter Mitfünfziger im Meditationszentrum ein. Arzt, wie sich herausstellte. Dezent beschämt zupfte ich ihn am Hemdsärmel und bat um Audienz. Wir sitzen also auf einem dieser Steinbankerl mit Blick übers Tal -nicht Richtung Galaha, die andere Richtung, weißt eh. „Listen, Bella. Life is all a matter of shit, so tell me all about it.“ flötete er mir in imposant italienisch durchtränktem Englisch entgegen. Und ich erzählte. Und er hatte die richtigen Drogen dabei. Drei Giftpillen an drei Tagen und dem Zirkus in meinen Eingeweiden war der Garaus gemacht.

So schau ich jetzt aus, entschuldigts bitte den Umweg. Und letzte Woche fiel mir auf: Da schau her, mir schnackeln die Knie, wenn ich in den Öffis keinen Sitzplatz bekomm. Das befand ich für unerfreulich, ging heim und fütterte mich mit Schokoladekuchen, Nudeln, Schokolade, Schokokeksen, Gemüsezeug, Käsebroten und Schokolade. Mein Körper tirilierte, pickte sämtliches Material ungefiltert an meine Hüften und dankte mir mit stabilem Kreislauf. Ich vermute ja, dass alle so eine Art individuelles Idealgewicht haben – plus minus 5 kg oder so. Geht man merklich drüber oder drunter, fühlt man sich nimmer recht im Lot. Und weißt? Genau das ist eben eingetreten. Jetzt habe ich völlig unvermutet auf einmal das Popscherl, das ich mir mit 18 so herbeigesehnt hätte –  und es stellt sich heraus, das gefällt meinem Körper selber gar nicht so sehr, wie’s meinen medienindoktrinierten Äuglein gefallen tät.

Nach der Schokokur schlagen die armen, medienindoktrinierten Äuglein halt wieder theatralisch die Hände überm Kopf zusammen und sind ganz unglücklich ob der Ausbuchtungen, die mein Körper seit einer Woche fabriziert. Aber jetzt heißt es zamreißen. Ich hab die Feminismusvorlesungen nicht umsonst belegt. Ich WILL kein zartes Hascherl sein, das dann keine ordentliche Kraft hat.

Schön brav weiterschmausen werd ich.

4 Kommentare zu “Schlankheitswahn, du kannst dich brausen.

  1. trennung? so richtig? au wei, viel kraft für den alltag und den herzschmerz (falls es welchen gibt)

  2. Letterlady sagt:

    Ja, iss was Gscheits!!!!!!
    [Und wenn ich dann irgendwie wieder ein bissl Struktur in diesem neuen Alltag hab, dann werde ich zu diesem Thema vielleicht auch mal was an einer Stelle in diesem Internet sagen.]
    In der Zwischenzeit bitte dazu beachten: http://www.vorspeisenplatte.de/speisen/2014/04/der-schnellste-weg-zur-bikini-figur.htm

  3. […] sag’s euch, wie’s ist: Vor ein paar Monaten hab ich mich ja mal furios über den Schlankheitswahn aufgepudelt. Kurz darauf ruft mich das Rudel rund um die Karlich an und bestellt mich zum […]

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