Humor & Scheitern

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13. Februar 2014 von evakarel

IMG_1004Man bekommt’s ja sowieso nicht ideal hin. Ich wäre gerne stets verständnis- und humorvoll, Fakt ist aber, mir geht schnell das Häferl über. Und auch wenn ich das nicht ideal finde, so bin ich eben kein stilles, buddhistisches Wässerchen.

Meine Kinder wissen aber auch, dass nichts passiert, wenn mir der Kragen platzt, sie haben keine Angst vor mir. Ich entschuldige mich, wenn ich ungerecht war. Der Vierjährige sagt dann Dinge wie: „Passt son, ist nicht so tragis. Aber du hast mich wirklich angezipft, Mama.“, was ich mit „Tut mir leid, ich hab mich so geärgert.“ kommentiere. Und damit ist vermutlich alles gut. Ich hoffe, dass sie keine erwachsenen Schaufensterpuppen brauchen, die stets ratgeberreife Sprüche herauslassen. Aufgrund des Lebens mit meinen Kindern dämmert mir irgendwie: Es ist in Ordnung, nicht perfekt zu sein. Man entschuldigt sich eben, verzeiht und wird verziehen, kitzelt und kuschelt sich dann eine gehörige Runde durch. Humor stellt dabei ein Grundnahrungsmittel dar.

In den Tiefen meiner Seele bin ich ja ein ziemlicher Fundi. Wie man vielleicht ‚richtig‘ leben, erziehen, arbeiten, lieben, sich ernähren sollte. Und Fundis tut Kontrastprogramm oft ganz gut, weswegen ich das regionale Biofutter zuweilen gegen Tiefkühlpizza tausche, um nur ja nicht zu selbstzufrieden zu werden. Und tatsächlich ist das Bio-Papperl ja prinzipiell super, aber lasst euch gesagt sein: Die unlängst verdrückte Tiefkühlpizza war auch nicht von schlechten Eltern. Gut, ich konnte sie nicht verdauen, doch D.’s hausgebrannter serbischer Schnaps vollbrachte Wunder und führte sowohl zu einer verdauten Pizza, als auch zu einem sehr amüsanten Abend.

Das sechzehn Monate alte Söhnchen reißt mich aus meinen Gedanken, als er in der Küche unwirsch an meinem Hosenbein rupft. Irgendetwas möchte er. Fragt sich nur: Was?

„Wie lautet dein Begehr, kleiner Freund?“

„Öh!“

„Hunger? Durst? Muskatnussreibe?“

Ich hebe ihn auf, damit er mit seinem stets aufgeregt erhobenen kleinen Zeigefinger auf das Objekt seiner Begierde zeigen kann. „Öh, üh!!“, zappelt er ungeduldig auf meinem Arm. Das gesamte Gewürzregal hätte es ihm angetan, da er allerdings dazu tendiert, dabei von Begeisterungsstürmen heimgesucht zu werden und in der Folge unkontrolliert mit Gewürzen wirft, muss ich seinen Vorschlag leider ablehnen. Bzw. auf besagte Muskatnussreibe beschränken. „Kann ich das BITTE haben?“ vertone ich.

„Titte!!“ strahlt es mir stolz entgegen.

„B-b-b-bitte!“

„Titte!“

Hervorragend. Überraschenderweise nimmt er den Kompromiss an und zieht sich zwecks Muskatnussreibeninspektion zurück. Doch immer wenn ich denke, nun hätte ich den Clou gelandet und alle wären der Tugend anheim gefallen, brütet einer etwas aus. Als der Vierjährige und ich auf der Couch ein Buch lesen, erklimmt der kleine Bruder in seiner Funktion als menschgewordene Berggemse dank kreativem Einsatz gestapelter Aufstiegshilfen das Waschbecken, lässt zufrieden seinen Windelhintern hineinplumpsen, wirft akribisch erst Zahnbürsten, dann -becher, dann -pasta hinein und öffnet schließlich den Wasserhahn, was ihm glückseliges Juchzen entlockt. Das waschelnasse Kind ist ob der von mir prompt gelieferten Moralpredigt nicht erfreut und erfrecht sich, wütend mit Zahnpastatuben nach mir zu werfen, während er wie ein Rohrspatz „Nein!!!“ schimpft und partout nicht aus seinem Wellnessbad entfernt werden möchte. Mangelndes Durchsetzungsvermögen können wir ihm definitiv nicht andichten. Der große Bruder küsst ihn glücklich aufs nasse Haupthaar.

2 Kommentare zu “Humor & Scheitern

  1. stilhaeschen sagt:

    Wundervoll. Ich bin entzückt und gelobe, auch mal wieder Herzmomente aufzuschreiben. Die zu vergessen wäre nämlich Oberkacke, echt mal.

  2. alma sagt:

    =D danke

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