Vier Jahre

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19. November 2013 von evakarel

jakob 1Heute vor vier Jahren ist das große Söhnchen meinem Bauch entklettert, schaute mich mit verknautschtem Gesicht, Stehfrisur und großen Augen skeptisch an und ging zügig dazu über, in meinem Leben einmal ordentlich durchzufegen. Dieser wilde kleine Kerl.

Vier Jahre sind also vergangen. Ich blicke mir selbst über die Schulter und wundere mich zutiefst. Das sind meine Kinder! Wie bitte? Ich bin tatsächlich keine Studentin mehr, die nächtens ein freiwilliges Eremitinnendasein vor der Staffelei führt?! Geplärr reißt mich aus den Gedanken – der Babsohn hat die Waschmaschine schwungvoll aufgerissen und dabei das Türl gekonnt in des großen Bruders Antlitz geprackt. Großes Tränenmeer. Vier Minuten später beschließt der Vierjährige, nun sei der ideale Moment gekommen, um das Backrohr zu inspizieren. Leider sitzt der Babysohn davor und fasst eine Karambolage zwischen Backrohrtürlkante und Schläfe aus. Großes Tränenmeer. Atmen. Wir müssen hier raus, bevor ich die Nerven abgebe.

Ich wurschtle die Kinder in gatschtaugliches Gewand und marschiere in den Pezzlpark, wo ich am Sandkistenrand sitzend mein plärrbedingtes Ohrensausen abklingen lasse. Der Kleine schläft im Kinderwagen ein, mit einem Mal ist es still. Als ich aufblicke sehe ich den Großen mit dem Kinderwagen bedächtig Runden um die Sandkiste ziehen. Zwischendurch hält er inne, schmiegt seine Nase an das schlafende Babygesicht, streichelt seine Bäckchen, zeichnet allen Ernstes mit seinem Zeigefinger vorsichtig die Linie des kleinen Knutschmundes nach. Ich beobachte still und beiße mir vor Rührung auf die Lippen.

Das ist mein Sohn. Mein fürsorglicher, wilder, zärtlicher Sohn.

Wie sehr man ein Kind lieben kann.

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