vom Wunsch, andere zu ihrem Glück zu zwingen

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9. September 2013 von evakarel

tixoWährend ich handschriftliche Notizen ins Heft kritzle, hockt das knapp vierjährige Söhnchen neben mir auf der Couch. Sehr vertieft ist er damit beschäftigt, sich Zeitungsschnipsel mit Tixo über die kleinen Zehen zu kleben. Dabei murmelt er stirnrunzelnd etwas von „Danke, Frau Krankenhaus, jajaja, Notfall. Deine Sirene war aber LAUT!“

Das bald einjährige Söhnchen schläft gerade, ich denke an G. Als wir klein waren, hatschten wir mit unseren Familien so manchen Spaziergang. Die Erwachsenen vorneweg, unsere Brüder irgendwo abseits des Weges, die Schwestern noch nicht geboren, wir beide stets als Schlusslicht. Wir schlurften versunken hinterher, inmitten einer Schar imaginärer Tiere, wechselten Worte in selbst erfundener Sprache und fühlten uns sehr geheimnisvoll. Während meiner Pubertät war sie mein Tagebuch, wir schrieben uns fingerdicke Briefe, ich flunkerte zuweilen ordentlich, was meine aktuellen Kusserfahrungen betraf. Ihre Zeilen habe ich immer geliebt. Und mich geschämt, denn bestimmt war sie viel ehrlicher als ich.

Ich hatte immer dieses Bild in meinem Kopf, wie sie als Erwachsene stets durch die Tür auf ihre Veranda treten, ihr Teehäferl auf dem kleinen braunen 70er-Jahre-Tisch  mit der weißen Platte abstellen und zu schreiben beginnen würde. Auf einer Schreibmaschine, versteht sich, ganz ‚Mord ist ihr Hobby‘. So würde das sein, es war für mich ganz klar.

Dachte ich. Es geht mich nichts an, ich kann nicht wissen, was gut für sie ist. Wer bin ich, groß die Pappn aufzureißen und herumzuposaunen, was wer tun sollte? Alles ihre Entscheidung. Ihr Leben. Doch ich habe ihre Worte immer so geliebt und klebe mich vorsichtshalber am Stuhl fest, um sie nicht zusammenzupacken, auf diese Veranda zu befördern, mich zähneknirschend vor die Türe zu setzen und ihr mit penetrantem Gesuder so lange in den Ohren liegen, es gäbe kein Abendessen, bis nicht der nächste Absatz fertig sei. Herauskletzeln möchte ich ihr die Texte, die dürfen doch nicht einfach da drin bleiben?! Weil keine Zeit dafür ist? Das scheint mir gänzlich inakzeptabel.

Das bald vierjährige Söhnchen unterbricht meine Hirngymnastik. Es möchte wissen, welche Bienen welche Marmeladesorten einkochen, wenn sie schon so guten Honig können.reis

Und das kleine Söhnchen ist ohnehin hochbegabt, ich erkenne das ganz deutlich. Linkerhand beispielsweise seine Erfindung „Reis-Aufnahme Modell ‚Staubsauger'“. Und wenn er fertig ist, räumt er sogar auf, indem er die Reste vom Tisch wirft, ich bin so STOLZ!

3 Kommentare zu “vom Wunsch, andere zu ihrem Glück zu zwingen

  1. Xeniana sagt:

    Hochbegabt eindeutig:)))))) eine sehr rentable Methode:)))) und so süss!LG Xeniana

  2. Tinka sagt:

    Liebe Eva,

    ich habe beim rumliegen mit fieberndem Mädchen Deine Seite gefunden.

    Vielen Dank fürs Aufschreiben!
    Herz und Tür sind weit auf hier für Dich und Deine Jungs.
    Was hattest Du auf die Marmeladenfrage geantwortet?

    Ich lese weiter….

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