diese dauerglücklichen Eltern…

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23. August 2013 von evakarel

valentin steht 2Der Herbst ist im Anmarsch, erzählt mir die kühle Morgenluft, als ich das ältere Söhnchen heute in den Kindergarten bringe. Eine Ubahn-Fahrt später ist mir klar, dass momentan allerdings fix noch Sommer ist. Die olfaktorischen Frechheiten in den geschätzten Wiener Linien kurieren mich schnell von meiner herbstlichen Romantik. Wir stehen dicht an dicht. Soeben greift ein Fahrgast nach einer der oben angebrachten Halteschlaufen, vor meinem Gesicht tut sich eine überaus imposante Achselhöhle auf.

Dem mir umgebundenen Babysohn fährt darob in der Sekunde der Grant ins Gebein, ich suche uns lieber einen Sitzplatz, bevor er gänzlich unwirsch wird. Vor uns zwei Teenagerinnen mit hervorlugender Bikinitopmasche unterm T-Shirt. Die Augen des aus der Trage befreiten Babysohnes leuchten, blitzschnell greift er einer der Vorderfrauen zärtlich in den Nacken, ruft: „Nanananaaaa!!“ und öffnet mit einem resoluten Ruck ihr Bikinioberteil. Ziehe kurz in Erwägung, mir vor Scham INS Hirn zu hauen.

Wenn ihr Mehrfacheltern kleiner Kinder fragt, wie es ihnen denn so geht und sie antworten: „Guuut! Wirklich gut!“, dann merkt euch bitte: Das ist gänzlich erstunken und erlogen. In Wahrheit spielen ihre Ansprüche an sich selbst mit Schlafmangel, Kinderverliebtheit und schlechtem Gewissen hinter ihrer Stirn Pingpong. Sie haben die 187. Nacht in Folge nicht geschlafen und das letzte Mal, an dem sie zuletzt in Frieden auf dem Klo saßen, liegt 3 Jahre und 9 Monate zurück. Ernsthaft. Während ich auf dem Klo hocke, interviewt mich der Dreijährige nach meinem geschätzten Befinden, möchte wissen, wie lange es noch dauern wird und ob er dann runterspülen darf. Parallel krabbelt der Babysohn im Häusl herum, möchte die Klobürste inspizieren und die eine oder andere Klorolle abrollen. Ziemlich sicher kann davon ausgegangen werden, dass währenddessen etwas auf dem Küchenherd überkocht und das Handy einsam vor sich hin klingelt.

Ich rufe E. an. Sie meint: Mutter allein mit Kind sei nichts als eine blöde Idee aus den 50er-Jahren. Liebe sie sehr dafür. Dabei bin ich gar nicht allein mit den Kindern. Ich arbeite ja auch und der Kindsvater betreut und studiert parallel. Doch was so idyllisch klingen mag, kann tatsächlich auch sehr mühsam sein. Endlose Absprachen, „wo sind die Babysocken, die hattest DU zuletzt?“, Organisationsakrobatik.

Wir müssen hier also demnächst über folgende Dinge sprechen: Was ist los mit diesen  vermeintlich dauerglücklichen Eltern? Wieviel Mutter/Vater braucht das Kind?

Vorab-Kommentare werden ab sofort gerne entgegengenommen.

3 Kommentare zu “diese dauerglücklichen Eltern…

  1. Nina Burgstaller sagt:

    Dauerglückliche Eltern….hmmm.was soll ich sagen.Bin Mama von einem 2-Jährigen, der mitten in der Trotzphase steckt, und einem 7 Monate altem Würmchen, das die Mobilität für sich entdeckt hat. Das bedeutet einfach nur Dauerstress! Schlaue Bücher über Kindererziehung geben einem ein bisschen das Gefühl, dass man nicht alleine ist, und seine Kinder DOCH normal sind und keine wild gewordenen Bestien. Aber auch hier gibts nicht für alle Probleme schlaue Tipps. Was wirklich Balsam für die Seele ist, sich mit anderen völlig entnervten Eltern austauschen und über die Schwierigkeiten zu Hause „auskotzen“. Auch die noch so perfekt wirkenden Eltern haben ab und zu dicke Luft mit ihren Zwergen, so viel hab ich herausgefunden. Und das tut wirklich,wirklich gut zu wissen!
    Glücklich bin ich wenn ein Tag halbwegs friedlich zu Ende geht, ohne größere Eifersuchtsanfälle des Großen, und der Kleine keine Beulen von seinen Erkundungstouren davonträgt. Sind die Kinder glücklich, sind die Eltern totmüde aber auch wirklich glücklich….
    Gute Nacht, ich nütze jetzt die wenigen Stunden, die meine Kinder mir zum Ausruhen meines müden Körpers lassen.

  2. Silvia sagt:

    .. ach ja, bin ich doch glücklich. endlich mama von 2 süßen schnecken zu sein. die eine 22 und der andere 8 monate. die eine prüft den ganzen tag, wie lange hält mama stand und der andere zieht mir das hosenbein von der hüfte, bis er es dann doch noch hoch hinaus zu busen und hüftsitz schafft.

    schnell ein bilderbuch da und eine stillrunde dort, kochen was jedem schmeckt und mal mit dem handstaubsauger dazwischenfunken. als belohnung für mamas bemühungen wird dann ein nasenstubs eingefordert, was der kleine zum haarereissen schamlos ausnützt.

    wer wird wann als erster und wie lange ins träumeland katapultiert? nix da, egal wie nass es in der outdoor-sleeping-zoon ist, wir müssen raus-denn sonst schläft gar keiner! wofür gibts sonst die praktischen kinderwagenkondome? auch für geschwisterwagen? nicht bei uns, denn klein sohnemann, wie gesagt, schafft es immer bis mamas armen bzw. rücken und so wird auch beim spaziergang innig gekuschelt, trotz regenschirm.

    ja und so geht es weiter … bis nachts dann nur noch unser kleinstes geschenk was will von mir, nämlich busen, busen, busen. ja ich bin glücklich.

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