Die Früchtchen meines Leibes

1

12. August 2013 von evakarel

IMG_1271Ich bin unrund. Ich sollte endlich wieder mehr bloggen, sage ich mir, denn wie habe ich mir das denn vorgestellt? Dass man das so larifari handhaben kann!? Außerdem sollte ich laut schlauem Buch meine Ernährung umstellen, auf dass nicht nur mein Verdauungstrakt fürderhin tirilieren möge, nein, nebenbei würde ich  damit auch noch das Ekzem meines Babys heilen, denn was weiß denn ich – vielleicht reagiert er ja allergisch auf etwas von mir Gefuttertes und per Muttermilch an ihn Weitergegebenes? Ein Kreuz. Vernissage-Einladungen sollte ich texten, ein paar andere Texte lektorieren und was ist bitte mit dem Buchmanuskript, das seit einem Dreivierteljahr fast fertig in der Schublade vor sich hinvegetiert? Ich bin nicht sicher, doch möglicherweise habe ich eine Handvoll zu viele Projekte im Auge, was den Punkt, mich gemütlich zurück zu lehnen und mir zufrieden den Wanst zu tätscheln quasi ins ferne Nirwana rücken lässt.

Ich bin unrund, weil die Kinder ständig auf mir herumturnen und zeitgleich selig, weil sie so süß auf mir herumturnen. Weil sie mich offenbar so zu genießen scheinen. Möge mir niemand Unentschlossenheit unterstellen! Gestern war ich mit ihnen am Ybbsuferweg unterwegs, während der Kindsvater seinen polterbedingten Kater hätschelte. Die Söhnchen saßen im Sand und spielten tatsächlich miteinander. Ernsthaft: Niemand hat geplärrt, niemand bekam unfreiwillig schaufelweise Sand auf den Schädel, nichts dergleichen! Ein Rudel Enten vertilgte hocherfreut und gesittet unseren Vorrat an Hirsebällchen, den ihnen mein Dreijähriger fleißig darbot. Der Babysohn saß währenddessen völlig absorbiert von dem Spektakel auf meinem Schoß und trenzte mir begeistert aufs Knie. Sehr schön war das. Ihr wisst schon – so ein Zeitlupenmoment.

Ganz im Gegensatz zu den zeitrafferartigen Kurzstreckensprints, die ich nun mehrmals täglich absolviere, um dem krabbelnden, alles verschlingenden Babysohn Steine, Zigarettenstummel, Holz und Abfälle aller Art aus dem Mund zu kletzeln. Ich bin da nicht heikel, versteht mich nicht falsch. Soll er die Sandkiste meinetwegen leerfressen und sich quer durch den Garten kosten, aber bei Tschickstummeln hört bei mir der Spaß auf. Im Urlaub versuchte er sich bereits erstmals an Meeresfrüchten. Saß pausbäckig am kroatischen Strand und funkelte mich mit entschlossen verschlossenem Mund aufmüpfig an. Als ich ihn schließlich zum Ausspucken überredet hatte, purzelte eine Wasserschnecke samt Inhalt heraus, ich war äußerst entzückt.

So, und nun werde ich mir auch noch den zweiten Haxen rasieren gehen. Laufe seit gestern einseitig herum, weil ich von den geschätzten Früchtchen meines Leibes unterbrochen wurde.

Ein Kommentar zu “Die Früchtchen meines Leibes

  1. stilhaeschen sagt:

    Ach, ich mag den Ton so gern. Und die „Früchtchen meines Leibes“ sind ein wundervolles Wortspiel. Schön, dass es hier weitergeht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bitte gib hier deine Email-Adresse an, wenn du bei neuen Artikeln per Email benachrichtigt werden möchtest.

%d Bloggern gefällt das: