Sommerbrüder

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11. Juli 2013 von evakarel

Willkommen im Sommerferien-Modus. Geld haben wir zwar grad wirklich keins, aber jetzt kommt der Hauptvorteil des Studentenpapas ordentlich zum Tragen: Zeit. Es sind Uni-Ferien, wir haben endlos Zeit. Meine Uni-Lehrveranstaltungen pausieren naturgemäß auch und selbst meine Yogakurse gehen erst im September wieder los.

Jetzt haben wir das schwiegerelterliche Haus in der Pampa gekapert, wo der Babybruder im Garten Klee verkostet, der Dreijährige barfuß, zerzaust und in tiefstem Mostviertlerisch fluchend mit dem Federballschläger dubiose Junikäfer verfolgt, wir abends auf der Terrasse Schafkäse und Bauernbrot futtern und danach Ribiselmarmelade einkochen, tatsächlich sehr idyllisch grad.

krabbelnDie Söhnchen finden all das sehr zu befürworten. Als ich Frühstück mache, höre ich sie im Wohnzimmer schallend lachen. Schleiche hinüber und sehe die beiden unterm Wäscheständer hocken. Immer wenn der Dreijährige hinter einem Hosenbein hervorlugt, flippt der Babybruder völlig aus vor Gelächter und muss aufpassen, nicht umzufallen. Stelle das Frühstück auf den Tisch, der Dreijährige schaut mich ernst an und meint: „Der ist mein bester Freund.“

Soviel zum wunderbaren Part. Der ewige Kontrapunkt: Wir schlafen viel zu wenig. Und weil ich dringend ein bissl ein Knedl verdienen muss, hab ich ein paar Lektoratsaufträge angenommen. Jetzt sitze ich sobald die Kinder in der Hapfn sind bis Mitternacht und lektoriere Diplomarbeiten, danach stille während der Nacht mehrmals, bis der Kleine zwischen 4:57 und 6 Uhr die Nacht für beendet erklärt. Der Mann an meiner Seite und ich wechseln und mit Ausschlafen ab, trotzdem ist es zuweilen zum Deppertwerden.

Als wir am Wochenende die Oma besuchen fallen ständige irgendwelche Elternteile unkontrolliert in Tiefschlaf, nur unterbrochen von diversen Mahlzeiten. Ich lege den Babysohn nach dem Mittagessen zum Schläfchen hin und wache zwei Stunden später wieder auf, weil er mich aufweckt. Als ich aus dem Schlafzimmer tapse, finde ich den Mann auf der Couch schnarchend vor, seine Schwester mit deren Säugling daneben ebenfalls ausgeknipst. Nur der Dreijährige hopst unverdrossen um den Schwimmteich, während die Oma wieder mal Berge an Essbarem fabriziert. Begebe mich auf eine Sonnenliege und döse wieder weg. Nachmittags heben wir alle kurz je ein Augenlid, flößen uns Kaffee und Kuchen ein und gleiten sofort zurück in die Tiefschlafphase. Mit frisch aufgeladenen Batterien schalten wir danach wieder alle auf Erwachsenenmodus um.

Der Babysohn ist jetzt 8 Monate alt und hat sowohl Sitzen als auch Krabbeln in einem Aufwaschen innerhalb von drei Tagen erledigt. Diese hundselendig langweilige Immobilität hat ihm gereicht, neue Perspektiven mussten offensichtlich her. Jetzt ist er so stolz, dass ich ihn nur noch im Majestätsplural anzusprechen gedenke. „Belieben Herr Satzinger noch etwas Kürbisbrei zu speisen? Wohlan, so öffne er den Schnabel, hier kommt ein Löffel!“

Er ist dermaßen begeistert, sogar während des Einschlafstillens übt er. Ich liege auf der Seite, eure Majestät nuckelt. Laut schmatzend wuchtet er sich aus der Seiten- in die Bauchlage und schwupps ist er auch schon im – nuckelbedingt geduckten – Vierfüßler. Zuzelnd krabbelt er dann mit den Knien in einem 180° Radius auf und ab. Also: mit dem Hinterteil einmal aufwärts bis zu meinem Gesicht, dann macht er kehrt und veranstaltet eine Art Seitwärts-Hopserlauf im Krabbeln, bis sein Hintern wieder bei meinem Bauch ansteht. Gewöhnlich legt er dann ein Päuschen ein, um triumphal zu glucksen und meine geschätzten Glückwünsche entgegenzunehmen, bevor er sich wieder den Nippel schnappt. Etwa nach Runde 3 schnappe ich ihn und befördere ihn zurück in die Seitenlage. Um zu verhindern, dass das Herumgedrehe wieder losgeht, strecke ich meine Hand zwischen seine Beine – das funktioniert hervorragend, als würde ich den Rotor blockieren.

Da schimpft kurz wie ein Rohrspatz und ist 30 Sekunden später im Traumland.

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