ohne Schreiben wäre ich ein kleines Nackerpatzl

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26. Juni 2013 von evakarel

diplomarbeitDer Babysohn sagt „Abababaaa!“ und zieht mir zur Begrüßung freudig eine Patschhand über die Rübe. Es ist 5:42, ich bin nur so durchschnittlich erfreut. Da hebt der Dreijährige seinen Wuschelkopf aus den Pölstern und vermeldet: „Du sollst ein bissl mit mir raufen, Mama.“ Lasse mein Gesicht theatralisch seufzend in der Matratze verschwinden und gebe laute Schnarchgeräusche von mir. Auch der Mann an meiner Seite stellt sich eisern schlafend.

„Agaga?“ Der Babysohn zupft interessiert an einer meiner Haarsträhnen. „Nicht reißen, das tut der weh.“ ermahnt ihn streng sein Bruder, der es sich mittlerweile auf meinem Rücken bequem gemacht hat. Ach, diese lauschigen Morgen, dieses sanfte, freiwillige Hinübergleiten aus der Tiefschlafphase in den Tag – ein Traum!

Ich Füchslein bin gestern um 21h ins Bett gegangen und gut gelaunt. Tage- und wochenlang habe ich mein  Hirn verrenkt, um herauszufinden, was ich alles Grundlegendes ändern könnte, damit es mir besser geht. Ich glaube, ein hauptsächlicher Schlüssel liegt ganz banal im Schlafen. Im Grunde eh klar – wenn ich ständig am Computer arbeite, sobald die Mäuse schlafen und dann, wenn ich schlafen möchte, ständig zwecks Stillen aufgeweckt werde, muss irgendwann die Batterie leer sein. Mache nun Mittagsschläfchen und geh früh ins Bett. Gerade dass ich noch nicht sonntags zum Pfarrkränzchen marschiere…

Mein selbständiges Arbeiten beinhaltet hauptsächlich Homeoffice und in geringem Ausmaß Unterricht. Genau genommen 2 Yogakurse pro Woche, 1 Vormittag Uni pro Woche, ein paar Wochenendseminare im writers’studio übers Jahr verteilt. Homeoffice hat den riesigen Vorteil: Ich kann mir meine Zeit völlig frei einteilen. Und den nicht zu unterschätzenden Nachteil: Ich kann mir meine Zeit völlig frei einteilen. Nach mehreren Jahren Trial and Error habe ich meistens eine ganz gute Balance. Immer wieder schleudert es mich allerdings ordentlich – z.B. wenn da ein neues Kind den Alltag durcheinanderbringt, keine planbaren Schläfchen macht etc.

Ganz wichtig ist, eine logische Reihenfolge reinzubringen. Ich habe jetzt eine Stunde Zeit, dann am Nachmittag 1,5 Stunden, dann abends nochmal zwei. Ich habe ein Diplomarbeitskapitel, das ich auf Inhalt und Struktur lektoriere, eine Handvoll transkribierter Interviews, die ich auf Rechtschreibung und Interpunktion durchschaue. Mehrere Textfragmente warten darauf, zu einem Blogtext gegossen zu werden. Ich muss ein grobes Konzept für einen Vortrag austüfteln, das ich bis 14h telefonisch durchgeben muss. Wo fange ich an? Schreibend natürlich. Und zwar handschriftlich. Ich schreibe ein wildes, persönliches Freewriting, bei dem ich alles, was in meinem Kopf herumschwirrt, aufs Papier knalle. Ist das erstmal draußen, mache ich mich ans Planen. Ich erschreibe mir eine mögliche Reihenfolge und lege auch fest, was ich heute nicht machen werde. Denn: 5 Dinge parallel durch ständiges Hin- und Herhüpfen erledigen? Das habe ich zahllose Male versucht und das Ergebnis war wirklich ausnahmslos scheiße.

Dieses schreibende Nachdenken ist ein wahres Wundermittel, jetzt mal ehrlich, ganz ohne Übertreibung. Ich glaube, ohne ihm wäre ich gar nicht selbständig. Ich schreib alle Sorgen auf und erschreibe mögliche Lösungen. Ich erschreibe mir sämtliche Workshopkonzepte, erschreibe mir die grobe Jahresplanung – einfach indem ich nicht nur diffus darüber nachdenke, sondern es zu Papier bringe. Wenn die Reihenfolge steht, lege ich los.

Seit fünf Tagen kann sich der Satzinger übrigens sowohl aufsetzen, als auch in den Vierfüßler hochstemmen. Das Sitzen leuchtet ihm noch einigermaßen ein – da thront er triumphierend am Boden herum, eiert gefährlich mit Oberkörper und Kopf und plumpst irgendwann wieder ungraziös um. Mit dem Vierfüßler ist es schon komplizierter. Er kann ihn. Doch was damit anfangen? Er wuchtet sich aus der Bauchlage hoch, jedes mal mit einem höchst erstaunten Grinsen auf dem Gesicht. Und jetzt? Er wackelt probeweise mit dem Windelhintern. Passiert nix. Er klopft mit gerunzelter Stirn auf dem Boden herum. Nix. Irgendwo hapert’s, er weiß nur nicht, wo!

Schalten sie auch morgen wieder ein, wenn wir uns mit folgenden spannenden Themen wieder melden: „Ich kann jetzt krabbeln, doch leider nur rückwärts und klemme ständig unfreiwillig unterm Sofa fest!“

3 Kommentare zu “ohne Schreiben wäre ich ein kleines Nackerpatzl

  1. Xeniana sagt:

    Ich kann mich noch gut erinnern wie es war als meine Kinder klein waren. Während es jetzt ehr seelische Kräfte in der Begleitung fordert waren es in der Kleinkinderzeit Lebenskräfte und meine waren nur ein Jahr auseinander und 3 an derZahl. Das wird tatsächlich besser wenn sie größer sind. Ich hab es wahlweise mit Fitness, Nebenstudium und schreiben versucht. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl meinen Nichtmutterteil in Sicherheit bringen zu müssen. Also im nächsten Leben würde ich mir einen spannenden gut bezahlten Job suchen:) und dann…..

  2. […] von der Blogger-Community inspirieren. Der erste Blog, auf den ich “reingekippt” bin, ist von Eva Karel. Sie schreibt seit Anfang 2013 über den “Alltag einer Familie, die Studium, selbstständige […]

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