Reisen mit Kindern? Ja bitte. (äh, wahrscheinlich)

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19. Juni 2013 von evakarel

DSCI4563Und dann schleicht sich doch glatt – klammheimlich, lange unbemerkt und auf leisen Pfoten – nach zehn Jahren wieder die Reiselust ein.

Aber von vorn: Mir geht’s viel besser, danke der Nachfrage. Üblicherweise sind wir passionierte Familienbettschläfer, mehr als 30° im Schlafzimmer treiben aber auch der verkuscheltsten Familie das Zusammenkuscheln aus. Letzte Nacht bin ich zwecks Auskurieren ins Wohnzimmer auf die Couch übersiedelt. Der Plan war, dass der Mann an der Seite des Babysohns bleibt und ihn nächtens versorgt und der Dreijährige bei mir auf der Couch schläft. -So ambitioniert der Plan auch war, so kläglich ist er am heulenden Babysohn gescheitert. Um ein Uhr früh haben wir also einen fliegenden Wechsel veranstaltet und Babybündel gegen schlummernden Lockenkopf getauscht.

Im Wohnzimmer schlafen war trotzdem gut – viel kühler als zu viert im kleinen Schlafzimmer wie in einer Legebatterie zu liegen.

Ich habe immer mehr den Wunsch, mich aus meiner „Komfortzone“ als Mama rauszubewegen. Viele Dinge, die mir wichtig sind, habe ich der elenden Bequemlichkeit halber aufgeweicht. Auch eine gehörige Prise Perfektionismus spuckt mir in die Suppe. Ich bin für sämtliche Eventualitäten gerüstet. Kind dreckig? Voilà, hier das Wechselgewand. Kind hungrig? Hier ein geschnippelter Apfel. Kind will sandspielen? Selbstverständlich habe ich Kübel und Schaufel dabei. 19h? Selbstverständlich sind wir zur Schlafenszeit zuhause. Durstig? Hab deine Lieblingstrinkflasche mit. Was bin ich? Eine All-Inclusive-Club-Servicemitarbeiterin?! Bitte wann hat sich bei mir die Annahme eingeschlichen, die Mäuse bräuchten stets ideale, perfekt prognostizierbare Zustände? Warum scheine ich davon auszugehen, sie hielten es nicht aus, mal kurz zu warten, mal zu verzichten etc? Da stimmt etwas nicht.

Ja, ich glaube ein Nest, Rückhalt und Vertrautheit sind etwas Gutes für Kinder. Doch bin ich mir ziemlich sicher, wir müssen deshalb unseren hauptsächlichen Fokus nicht auf Ordnung und möglichst reibungslosen Alltagsablauf richten.

Vielleicht kann ich, können wir das Nest sein. Jener Fixpunkt, der ausreichend Sicherheit, Vertrautheit bietet. Uns schwebt nämlich eine große gemeinsame Reise vor. Unsere Kinder sollen schließlich eine breite Perspektive auf die Welt bekommen. Sie sollen auch sehr viel bescheidenere Lebensumstände kennenlernen, sich ihres privilegierten Lebens bewusst werden. Nein, unser Lebensstandard hier ist weder selbstverständlich noch ökologisch vertretbar, ja, wir leben hier im Elfenbeinturm. Sie sollen das wissen.

So salbungsvoll es klingen mag: Eine gehörige Prise Demut, das ist es letztendlich, was ich von meinen Reisen mitgenommen habe. Und ein Bewusstsein dafür, wie verflixt wenig ich brauche, um es gut zu haben. Dieses wenig Haben machte mich zuweilen regelrecht high, weil ich mich dabei so frei fühlte. Als ich zwei Jahre lang aus dem Rucksack machte ich es mir zum Sport, so wenig wie möglich zu besitzen, schließlich wollte ich mich nicht dumm und dämlich schleppen.

Vier T-Shirts mussten aufgrund der Hitze sein. Eine kurze und eine lange Hose. Zwei Tücher, die wahlweise als Rock, Decke, Schal, Handtuch, Turban und Sonnensegel fungierten. Eine Weste, Unterwäsche, ein Paar Flipflops. Ein Stück Seife für mich, eins für’s Wäschewaschen. Eine Yogamatte, Schreibzeug und ein paar Bücher, fertig.

Wir werden nun also den Mann an meiner Seite fertig studieren lassen, unseren Krempel packen und das halbe oder ganze Jahr vor Beginn der Schulpflichtigkeit unseres älteren Sohnes unterwegs verbringen. So der Plan.

Und was haltet ihr so vom Reisen mit Kindern? Super Idee? Schlechte Idee, mit Kleinkindern sollte man schön daheim bleiben? Maximal nach Italien? Hat Planbarkeit Vorrang? Oder doch das Sicherheitsdenken über Bord und gib ihm? Erfahrungswerte anyone?

4 Kommentare zu “Reisen mit Kindern? Ja bitte. (äh, wahrscheinlich)

  1. cloudette sagt:

    Aah, toll! Ja ja ja, ich will auch, das steht ganz oben auf meiner Liste. Wir waren ca. 12 Monate mit Baby unterwegs, ein bisschen was dazu habe ich aufgeschrieben (Blog –> Schublade „Elternzeit“). Ich fand es einfach nur toll. Kind auf den Rücken – und los. Das Baby ließ sich überall hin mitschleppen. In den Dschungel, ans Meer, auf Berge.
    Das wäre jetzt mit dem Kleinen nicht mehr komplett so machbar, der hat vermutlich keine Lust auf stundenlanges Gewandere, aber egal, dann gehen wir halt dahin, wo er auch Spaß hat & spielen kann. Geplant hatten wir fast nichts, dabei hatten wir auch fast nichts. Und das würde ich so ähnlich wieder machen. Wieso mit Kindern zuhause bleiben? Kinder gibt es überall. Und das „Nest“ ist mit euch ja immer dabei ;-)!

  2. ka sagt:

    ja! unbedingt reisen! Immer! soviel wie geht! Das ist meine Meinung. Auch mit drei Kindern, zwei davon Zwillinge sind wir soviel wie möglich unterwegs. Auch mal nur drei Tage lang wildcampen im heimischen Land öffnet schon die Köpfe aller wieder etwas mehr!
    Und auch wenns mal anstrengend war mit Baby-Zwillingen und vierjähriger im Bully im Regensturm in den Dünen.. ich erinnere mich immer gerne daran zurück und bin mir sicher das meine Kinder so entspannt mit uns reisen weil wir es immer wieder tun.
    VIEL SPASS (und ein bissel neid… wie gern würd ich mal ein ganzes Jahr… mit Mann und Kindern…blöde Schulpflicht)

  3. robotergirl sagt:

    ohhh jaaa.reise reise!
    ich find mit kind muß man sich nicht zurück halten was das reisen angeht.es sei denn man hat ein super sensibles kind, von dem man weiß, man würde es damit sehr überstrapazieren.(das werd ich auch fleissig meiner freundin eintrichtern, die neulich sagte: wir wollen doch noch viel reisen, da passt ein kind grad nicht so )

    ist aber nur eine vermutung.sehr viel sind wir ja noch nicht verreist.und werden wir wohl auch nicht.sind nicht so die reise familie.aber ich fänds für meine tochter sooooo schön, wenn sie viel von der welt sehen kann.

  4. Isabell sagt:

    Ja ja ja unbedingt auf Reisen gehen bis die Kinder der leidigen Schulpflicht unterliegen!! Wir haben dies leider verabsäumt und haben jetzt einen Gymnasiasten und ein Kindergartenkind zuhause, mit denen wir nur mehr in den Ferien, dh in der absoluten Hochsaison, verreisen können! Dennoch lieben wir unseren jährlichen Familienurlaub in die italienischen Marken und leben und genießen in diesen Wochen das „dolce e bella vita“ in vollen Zügen ;-)!
    Cooler Blog Eva *daumenhoch*! Freu mich sehr über unsere Spielplatzbekanntschaft ;-)!
    LG Isa

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