Abstürzen zahlt sich aus

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7. Juni 2013 von evakarel

kindergartenAlso nachdem die letzten Tage ja unter dem Motto ‚Wenn schon oasch, dann richtig oasch‘ liefen, kann ich jetzt sagen: So ein gepflegtes Abstürzen zahlt sich aus. Da streckt man einmal gehörig die Patschen, weint sich nach allen Regeln der Kunst aus und gesteht sich ein, dass man’s nicht alleine kann – und schon marschiert eine ganze Brigade an Heinzelmenschen auf.

Der Mann an meiner Seite ist ordentlich in die Gänge gekommen, meine Mutter hat mir einen Nachmittag lang Bettruhe verordnet, während dessen das Baby gehutscht, Tee für mich gekocht und mich schimpfend zurück unter die Decke geschickt, sobald ich wieder loslegen wollte. Die Homöopathin hat mir Kugerl eingeflößt, Fräulein D. ist extra auf den Spielplatz gekommen, um mich zu drücken. Meine Schwester hat das Baby gefüttert, damit ich mich ausrasten konnte. J. hat mich beim Yogakurs vertreten, F. hat mir Punschkrapferl als Nervenfutter kredenzt. Mein Humor hat sich wieder eingefunden und mir geht’s viel besser, danke!

Ich hatte unseren Dreijährigen übrigens bei der Homöopathin mit. O-Ton Homöopathin: ‚Lassen Sie ihn einfach tun, was er möchte. Mich stört das nicht.‘ Hähähä. Ihr müsst wissen: Unser Dreijähriger ist ein sehr aufgewecktes Bürschchen. Kaum angekommen, kletterte er auf ihren Tisch, schaltete 4x die Schreibtischlampe ein und aus, flitzte laut lachend mit dem Drehstuhl im Kreis und verkündete dann, nachdem er ein paar mal in Bauchlage unterm Tisch durchgerobbt war, es sei fad hier. In meinem Hirngymnastikmodus dachte ich kurz: Was, wenn er hyperaktiv ist? Doch er ist nun mal unser Sohn! Wie sollte er also ein artiges, wohlerzogenes Knäblein mit nichtvorhandenem Bewegungsdrang sein? Aus welchem Hut sollte er diese Attribute denn bitteschön zaubern?

Der Mann an meiner Seite und ich – wir waren doch beide so! Und ich verstehe so gut, warum er mit drei lieber herumwetzt, als wäre sein Hintern von einer Atillerie Ameisen besiedelt, Blödsinn anstellt und seinem Forscherdrang nachgeht, anstatt artig dazusitzen und freundliche Nasenlöcher zu machen. Natürlich gibt es Grenzen und die forderen wir auch ein, aber tschuldigung? Der Mann an meiner Seite wurde regelmäßig zum Lachen auf den Gang geschickt, weil er mit seinem Kichern den Unterricht störte. (Selbstverständlich haben alle prophezeit, er würde es bildungstechnisch nicht weit bringen und genau das Gegenteil ist eingetreten, ätsch.)

Und wenn der Vater versehentlich des Dreijährigen Spiel-Geldbörse mit seinem Teehäferl antropft, der Dreijährige sofort die Verfolgung aufnimmt und entrüstet: „Papa!! Du bist a Sweindl! Jetzt host ma mei Gödtaschl opotzt!!!“ schimpft, dann tut es mir herzlich leid, aber ich finde ihn und seine Impulsivität großartig und bin nicht gewillt, sie ihm abzutrainieren.

4 Kommentare zu “Abstürzen zahlt sich aus

  1. Lieselotte sagt:

    Schön, schön, schön!

  2. Greta sagt:

    Schön zu lesen, dass es Heinzelmenschen rund um Dich gibt! Die sollen schön aktiv bleiben!
    Und es ist kein Stück un-„inspirierend“, auch über die miesen Tage oder Zeiten zu schreiben.
    Liebe Grüße und weiter alles Gute! Greta

  3. Mann – Frau, kann nur aus einem Heferl was rausnehmen, wenn „man“ hin und wieder was reingibt. Wenn Du wieder einmal nach Waidhofen kommst, kannst Du Deine kleine Blutdrucktabletten zu mir bringen und relaxen. LG …………

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