das Karussell dreht und dreht sich

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5. Juni 2013 von evakarel

Foto © APA

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Versiert möchte ich mich durchs Leben manövrieren. Dabei möchte ich  lustig sein und stets möglichst schlank wirken. Ich will diejenige sein, die in er allerbeschissensten Situation elegant nach ihrem Haarschopf greift, einen flotten Spruch bringt und sich dann auf möglichst kreative Weise aus dem Sumpf zieht. Ich möchte nicht fragen müssen, um Hilfe schon gar nicht.

Wenn man mich fragt, wie es mir gerade geht und ich antwortete ehrlich, käme ich mir vor, als beginge ich Verrat an meinen Kindern. „Hast du dir doch selbst ausgesucht!!“ kreische ich mir hysterisch-vorwurfsvoll ins Ohr und zucke dabei unrund mit einer Augenbraue.

Wenn der Dreijährige meinen Versuch, das quengelige Baby schlafen zu legen, damit sabotiert, indem er mit dem Rutschauto rhythmisch gegen die Schlafzimmertür donnert, könnte ich toben vor Wut und dann heulend zusammensinken. Nur klaren Gedanken kann ich vor lauter Schlafentzug keinen fassen. Der Babysohn wacht zur Zeit in guten Nächten 3x, in Durchschnittsnächten 5-8x auf. Ich halte das nicht mehr lange aus.

Über die kleinen Tiefen komm ich leicht hinweg, indem ich mich zusammenreisse und stur den Blick in Richtung froher Zukunft gerichtet halte. Ich pflüge durch die Holprigkeiten des Alltags, ich lasse mich nicht unterkriegen, verflixt! Wir schlafen ein paar Wochen nicht? Kann mir nix! Der Babysohn hat eine quengelige Phase? Schupf ich mit links! Der Dreijährige ist zudem nicht kooperativ gestimmt und brüllt entweder ständig „NEIN!“ auf meine pädagogisch wertvoll formulierten Bitten, oder heult dicke Tränen, wenn ich zurückfauche? Eva nimmt flugs die Zügel in die Hand, reflektiert die Situation, sichtet den nächstgelegenen Ausweg und macht sich auf den Weg dorthin.

So weit, so theoretisch.

Ich bin so erschöpft. Ich verstehe zwar auf logischer Ebene, das Karussell dreht sich nur noch schneller, wenn ich durch den Alltag rase. Die entspannte Zeitlupe wird sich nicht plötzlich wie von selbst einstellen. Ich verstehe auf logischer Ebene, es bringt nix, mir Selbstvorwürfe um die Ohren zu hauen. Ich weiß auf logischer Ebene, niemand bekommt es hin, ein dauerglücklicher Elternteil zu sein.

Ich möchte eigentlich einen inspirierenden Blog schreiben, aber ich hoffe, die Ehrlichkeit siegt. Ich kann grad nicht.

8 Kommentare zu “das Karussell dreht und dreht sich

  1. Janna sagt:

    Eva, mir und meinem Sohn hat das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ innerhalb kürzester Zeit geholfen, einen ordentlichen Schlafrythmus zu finden. Vielleicht wäre das ja auch was für dich? Ich kann es nur empfehlen, denn jede Nacht ständig wach zu sein hält keiner auf Dauer aus 😦

    • evakarel sagt:

      liebe janna,
      von dem buch hab ich schon viel gehört, aber ich würde das niemals anwenden! bin da irgendwie genau gegenteilig gepolt – wir schlafen im familienbett, stillen bisher nach bedarf etc. ich überlege nur, das nächtliche stillen einzuschränken, ich würde aber unbedingt neben ihm liegen und singen, ihn streicheln etc falls er weint. ich würd ihn niemals, niemals, niemals allein weinen lassen, das könnte ich nicht!
      lg eva

  2. cloudette sagt:

    Liebe Eva, wenn ich überlege, wie sehr mich die ich-will-alles-selber-machen-und-wenns-nicht-so-läuft-schreie-ich-gaaanz-laut-Phase meines Zweijährigen, das gebrüllte NEEEEEEIIIIN! derzeit schon manchmal schlauchen, wie oft ich nach Arbeit&Kind auf dem Zahnfleisch gehe, kann ich vielleicht ein bisschen nachfühlen, wie es dir gerade geht. Du hast dir vielleicht das Kinderkriegen selbst ausgesucht, trotzdem ist das alles manchmal einfach zu viel, viel zu viel, verdammt. Zu viel für zwei Leute, zu viel alleine. Allein der Schlafmangel kann einen doch völlig fertig machen! Dass du von deinem Fertigsein schreibst, macht mir deinen Blog noch sympatischer. Schicke dir virtuell Kraft & gute Wünsche und hoffentlich baldige Entspannung rüber!

  3. Lieselotte sagt:

    Liebe Eva, auch wenn’s nichts hilft, ich kann dich gut verstehen! Leider fällt mir auch nichts wirklich Hilfreiches dazu ein. Aber eins wollte ich dir schon seit längerer Zeit mal schreiben: du schreibst einen wunderbaren Blog! Wenn ich abends erschöpft im Bett liege und darauf warte, dass meine Tochter, an meiner Brust nuckelnderweise, nun ENDLICH ins Reich der Träume gleitet, dann freue ich mich jedesmal, wenn ich, mit dem smarten Telefon in der Hand, etwas Neues aus deiner Welt erlesen darf! Danke! Und danke für solche ehrlichen Beiträge!

  4. lajulitschka sagt:

    Hallo Eva.
    Ich finde es ebenfalls gut und wichtig, dass auch solche Phasen hier angesprochen werden.
    Letztlich geht doch jeder irgendwann mal auf dem Zahnfleisch.
    Eine Lösung hab ich leider auch nicht.
    Gibt’s denn niemanden in eurem Bekanntenkreis, der untertags mal aufpassen könnte, damit du da ein bißchen Schlaf nachholen kannst?
    Mitfühlende Grüße, lajulitschka

  5. […] ‘Wenn schon oasch, dann richtig oasch’ liefen, kann ich jetzt sagen: So ein gepflegtes Abstürzen zahlt sich aus. Da streckt man einmal gehörig die Patschen, weint sich nach allen Regeln der Kunst […]

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