Wir Vollhirschen

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24. Mai 2013 von evakarel

proseccosaufenAlso Folgendes: Da sitze ich auf der Couch und habe eine Dreierpackung Schokoriegel, einen Sack (kein herziges Sackerl, einen Sack) Schokokugeln und zum Garnieren ein paar Erdbeer-Joghurt-Schokostücke neben mir auf der Couch drapiert, will soeben zu meinem Glas Sekt greifen, das ich verantwortungsbewussterweise zwecks Vitaminzufuhr mit Orangensaft gespritzt habe, um mit mir selbst darauf anzustoßen, dass der Mann soeben mit beiden Kindern übers Wochenende die Stadt verlassen hat, da dämmert es mir.

Wir zwei Komplett-Hugos haben das Wichtigste vergessen. Was braucht man, wenn man ein Stillkind zwei Tage von der Mutter entfernt? Muttermilch, richtig. Was tut man also im Vorfeld? Abpumpen und einfrieren, richtig. Ist ein unpackbarer Aufwand, macht man nur, wenn man sich sehr auf Schokolade und Sekt freut. Mutter wird dieses Wochenende alleine nämlich abpumpen und die Milch dann feierlich wegschütten, da Mutter wie gesagt Sekt zu schlürfen gedenkt und da kein Baby weit und breit sein wird, dem das nicht recht sein könnte. Mutter wird – da die Tage der offenen Ateliers im 17. Bezirk sind – durchs Grätzel flanieren, sich diverse Ateliers anschaun und malenderweise im eigenen Atelier versumpfen. Mutter wird sehr glücklich sein.

Jedenfalls habe ich sie allesamt gerade in die U-Bahn Richtung Bahnhof gesetzt, und mich tapfer verabschiedet. Den ganzen verfluchten Tag hab ich mich zusammengerissen und nicht geweint. In meiner Brust sind leider zwei Seelen beheimatet. 50% in mir freuen sich einen zünftigen Haxen aus angesichts der freien Zeit. Die restlichen 50% springen hyperventilierend im Gummiballmodus auf und ab und kreischen irrationale Ängstlichkeitsbekundungen, der Mann an meiner Seite könnte das Baby versehentlich kaputt machen, die Söhnchen könnten mich vermissen, ich könnte die Söhnchen zu sehr vermissen und was überhaupt, wenn?

Nein, tapfer war ich. Gewunken hab ich, am Bahnsteig bin ich Kusshände werfend neben der U-Bahn hergaloppiert – sehr zur Freude meines Dreijährigen. Zuhause angekommen dämmert mir: Wir Vollidioten haben es tatsächlich hinbekommen, die Muttermilch nicht einzupacken. Wir Vollhirschen haben brav Gewand, Jause, Spielsachen, Wickelzeugs, Globuli, ALLES eingepackt, nur die Kühltasche mit der Muttermilch, die sitzt faul in der Küche und glotzt mich deppert an, ich könnte sie erwürgen!

Der Mann war wieder mal die Ruhe selbst, hat den halben Freundeskreis durchtelefoniert, bis er jemanden gefunden hat, der heute ebenfalls noch die heimatliche Pampa ansteuern und als Muttermilch-Nottransport fungieren wird. Es wird also doch noch hinhauen. Alles wird gut, alles wird gut, alles wird gut. Wir atmen tief in den Bauch und trinken das Gläschen vorsichtshalber auf Ex.

Oh, übrigens machen wir ganz spontan entschlossen auch mit bei den Tagen der offenen Ateliers. Morgen Nachmittag bis Abend könnt ihr uns heimsuchen, und zwar in der Haslingergasse 12/4, 1170 Wien. Wer kommt?

6 Kommentare zu “Wir Vollhirschen

  1. cloudette sagt:

    Waaah! Ein Glück gut ausgegangen – ich habe richtig mitgefiebert. Kinderfrei, wie herrlich!! Wünsche genüssliches Sekt schlürfen, Schoko-mampfen, kreative Betätigungen und/oder gemütliches Versumpfen auf dem Sofa! Wohl bekomms!

    • evakarel sagt:

      waaaaah, cloudette!!! es ist 1:18 und ich komme gerade aus dem atelier, juhuuuuu!!! kinderfrei ist wunderbar und dass die kinder morgen endlich wieder kommen auch!!

  2. robotergirl sagt:

    ich stell mir gerade die mengen von abgepumpter muttermilch vor, die ein stillkind benötigt um zwei tage von seiner mutter entfernt bleiben zu können.ich weiß nicht ob meine sehnsucht auf ein eiskaltes bier so ein pumpen elend rechtfertigen könnte 😉
    aber ich schließe mich: wohl bekomms!

    • evakarel sagt:

      oh, war nicht so schlimm! das „stillkind“ ist ja nur noch teilweises stillkind und futtert auch brav brei bzw. trinkt zwischendrin auch gern mal ein fläschchen mit reismilch, also hat sich das abgepumpe in grenzen gehalten :-). 6 portionen hat der papa insgesamt mitgenommen.

  3. Viel Erfolg bei der ofenen Tür !

  4. […] hatte ja trotz Sekt und Schokoladeplänen an meinem kinderfreien Wochenende vor, mich ein bissl auszurasten und Energie zu tanken. Davon war […]

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