Muttertag

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15. Mai 2013 von evakarel

schmusenDer Babysohn fiebert. Ich sitze mit ihm auf der Couch, fungiere als menschlicher Nuckel und bin damit beschäftigt, ihn ausgiebig lieb zu haben. Er liegt da mit zerknautschtem Babymund in meiner Armbeuge und schnarcht sich gesund. Dabei riecht er unglaublich köstlich und ich schmiege mich in den Augenblick, schmiege mich auskostend hinein. Bleib noch ein bisschen mein Baby, eh du zu krabbeln und Blödsinn anzustellen beginnst. Sei noch ein bisschen mein ganz Kleiner, wir haben noch so viele Jahre vor uns, um zu toben.

Er ist jetzt übrigens hochambitioniert in die Haarproduktion eingestiegen und hat sich dabei solidarisch für des Bruders Dunkelblond entschieden – mit einem uns foppenden Rotschimmer – der je nach Lichteinfall mal eindeutig da ist und dann wieder gänzlich unauffindbar. Sein Köpfchen ist nun also von zartem, weichem Entenflaum umhüllt, der sich astrein dazu eignet, die Nase daran zu reiben, zu schnuppern und ihm kleine Liebeleien ins Haar zu flüstern.

Es war ja Muttertag. Und mir ist der Muttertag ja im Grunde wurscht. Gestresste Kinder, die sich Selbstgebasteltes rauswürgen, um nicht zu enttäuschen? Termingerecht abgelieferte Zuneigungsbekundungen, Blumensträuße, Parfum, Nippes? Brrr. Brauch ich nicht, will ich nicht, würde ich ohnehin nur wegschmeißen. Aber meine Mutter lieb ich. Meine Schwiegermutter in spe auch. Und ich selber finde ich das Muttersein trotz aller Ambivalenz höchst wunderbar, warum also die Mutterschaft nicht ein bissl feiern?

Der Mann an meiner Seite warf also zum Muttertag ganz unspektakulär ein paar Fische in die Pfanne, meine Schwester und meine Mutter schleppten einen Koffer voller Kuchen an, es wurde den halben Tag aufs Gemütlichste gevöllert und getratscht. Mein Dreijähriger hatte nix für mich, weil die Kindergartenpädagogin es für wichtiger hielt, die Kinder das schöne Wetter im Garten ausnützen zu lassen, statt sie zum Basteln abzukommandieren. Ich könnte sie KÜSSEN für diese Prioritätensetzung!

In meiner Herkunftsfamilie ging’s diesbezüglich ebenfalls entspannt zu. Wir rupften frühmorgens ein paar Blümchen von der Pferdeweide, tischten unserer Mutter zum Frühstück das auf, das UNS schmeckte, sagten ihr – als wir älter wurden – Jahr für Jahr dreistimmig das legendäre Muttertagsgedicht auf, hihi, Bussibussi, alles Gute, fertig – schön!

Heute Morgen wurde ich dann von Doris Knecht in ihrer Falterkolumne mit einem neuen Muttertagsspruch versorgt, den ich dringend als Familientradition einzuführen gedenke. Und zwar hat sie sich, nachdem ihre Teenie-Zwillinge den Muttertag vergaßen, selbst ein Flascherl Prosecco geöffnet, sich zugeprostet und sich mit folgendem Spruch bedacht:

„In dies brave Mütterlein darf nun zum Lohn ein Spruderl rein.“

Wenn ich mir wirklich etwas wünschen darf, dann dass meine Brut mich fortan mit diesen Worten und Sprudel im Glas am Muttertag wecken möge. Sie hätten dann Humor bewiesen und damit wäre für mich alles geregelt, dann wüsste ich: Alles andere wird sich schon richten.

4 Kommentare zu “Muttertag

  1. Vorgestern ist mein Sohn gekommen, seinen Clon abzuholen.Dann hat er ganz selbstverständlich (ohne Bitten und Betteln) meinen, von mir vermurksten Quellstein repariert!!!!!! Juhu, schon wieder ein Muttertag!!!!!!!!!!!!!!!!
    LG Rumplstilzchen

  2. Ka sagt:

    Großartig. Hab grad deinen Log entdeckt und bin direkt gänzlich verliebt.

  3. Ka sagt:

    Blog mein ich…. Blog… Himmel… Blödes ipad und kaffeeelosigkeit am frühen morgen…. Sorry

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