Auf Wiedersehen, Nest!

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16. April 2013 von evakarel

Wohnzimmer1Da wir nur noch eineinhalb Wochen hier wohnen werden, habe ich heute begonnen, nachdenklich die ersten Postkarten, Schnipsel und Fotos von der Kühlschranktür abzumontieren. In den letzten Tagen ist mir immer schwerer ums Herz geworden, wenn ich heimkam. Bald werde ich diese alte, blaugrüne Holztür nicht mehr aufschließen. Ich werde die alte, abgetretene, geschwungene Treppe mit dem Fenster zum Innenhof nicht mehr hinaufmarschieren. Uns bleibt nichts anderes übrig, schließlich läuft der Mietvertrag aus. Ich werde mein Kind also nicht mehr zum Spielen in den Hof schicken und ihm an einer Schnur Essen,  Getränke und Sandschaufeln direkt vom Balkon in die Sandkiste abseilen.

Home is where your heart ist, jaja, ich weiß. Aber mein Herz war sehr gerne hier.

Die Frühlingssonne legt sich hingebungsvoll durch die alten, elend undichten Fenster und schmiegt sich ins Wohnzimmer. Diese stillen Vormittage, die meist mir allein gehören. Es ist leise, die Sonne blinzelt herein, ich schreibe. Ich habe das immer geliebt.

Der Abschied naht und es gibt mehrere Gründe, die ihn nicht eben einfach gestalten. Erstens bin ich ein durchaus emotionales Kerlchen. Bei Abschieden – vor allem bei endgültigen – geht mir gerne das Häferl über. Meine Befürchtung, die neue Wohnung könnte uns – trotz aller Schönheit – doch zu klein werden, ist auch nicht hilfreich. Zu allem Überdruss befinden sich der Mann und ich nach wie vor im Clinch.

Die Sonne versteht den ganzen Aufstand nicht und scheint unverdrossen weiter. Warum ist man eigentlich zu den Menschen, die man am meisten liebt, manchmal so gemein? Warum schleichen sich in Langzeitbeziehungen immer wieder diese  subtilen Respektlosigkeiten ein und warum muss man sich gegenseitig furios angiften, bevor einem wieder dämmert, dass und warum man den anderen liebt? Warum sind Familienarbeitsthemen, wer wann die Kinder betreut und wer wieviel Haushalt erledigt so zermürbend und wie kann es sein, dass man an meiner Seite zwischenzeitlich glauben kann, es sei schon in Ordnung, als Mann mehr Freiraum zu haben als die Frau?

Mist, elendiger!!

4 Kommentare zu “Auf Wiedersehen, Nest!

  1. Sylvia sagt:

    Manchmal wird vergessen, warum man mit diesem einen Menschen zusammen ist oder ihn liebt und denkt er sei dafür da damit er einen hilft glücklicher zu sein. Das dies jedoch vollkommen falsch ist sehen die meisten Menschen nicht. In erster Linie sollte jeder mit sich selbst glücklich sein, dann ist auch das „Miteinander“ schöner/leichter!
    Selten gelingt es auch sich in die Situation des anderen zu versetzten. Warum agiert jemand so wie er es tut. Dies zu hinterfragen bringt oft Licht ins Dunkle 🙂

    • evakarel sagt:

      unterschreibe ich grundsätzlich! unterschreibe ich in der theorie! in beziehungen mit (gemeinsamen) kindern geht’s allerdings tatsächlich stark um aufgabenverteilung – einfach weil man gemeinsam viel schönes, viel verantwortung, viel wahnsinn – schlicht viel Arbeit schultert. Dass es dabei zu verhandlungen kommt, wenn sich da Schieflagen ergeben, ist unausweichlich und meines Erachtens GUT. Es sei denn, jemand (meist die Frau), akzeptiert einfach, sämtliche „dienenden“ Tätigkeiten zu übernehmen. und das tue ich dezidiert nicht.

  2. Melanie sagt:

    tja, insbesondere das mit dem respekt und letzteres beschäftigt mich auch, sehr. wenn du schlauer ist, schreibe bitte wieder!

  3. cloudette sagt:

    Da fragste was …. 😦 Manchmal scheint man sich in Dauerverhandlung zu befinden. Anstrengend. Vorallem, wenn sich kleine gemeine Respektlosigkeiten einschleichen. Keine Antwort – nur Nicken.

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