Im Himmel gibt’s kein Bier

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13. April 2013 von evakarel

Rollladen2Wir verstehen uns ja quasi blind. Diskussionen waren gestern, heute sind wir darüber erhaben und flanieren hüpfend über Blumenwiesen, Weichzeichner inklusive! Bei uns reicht ein sanftmütiger Blick auf das Gegenüber, um sofort und in der Sekunde zu spüren, wie dem anderen wohl geholfen werden könnte. Unsere Herzen lächeln sich kurz zu und schon hüpfen wir weiter.

Der Arsch äh der Mann an meiner Seite versucht den Babysohn zu einer Runde Schlaf zu bezirzen, indem er ihn in der Manduca durchs Wohnzimmer spazieren trägt. Da ich endlich mal kein Kind an mir kleben habe, schieße ich von einem Eck der Wohnung ins andere und versuche, in Maximalgeschwindigkeit die Bude wieder auf Vordermann zu bringen. Hausarbeit, du Ausgeburt des Bösen! Es ist ja nicht so, dass wir überhaupt ein Bügeleisen besitzen würden, irgendwie scheint mir das Leben zu kurz, um zu bügeln. Wir haben nicht mal viel Platz, um Chaos zu verbreiten, doch der Platz, der zur Verfügung steht, wird vom Dreijährigen (zuweilen mit tatkräftiger Unterstützung seines Vaters, ich hingegen zu 100% ausgenommen) regelmäßig flächendeckend zugemüllt.

Es sieht aus, als wären die Hunnen zum Spielen vorbeigekommen, hätten sich prächtig amüsiert, sich gegenseitig angestachelt und wären dabei über sich selbst hinausgewachsen. So etwas passiert, wenn man -weil man noch schlafen möchte- den Dreijährigen schon mal allein aufstehen lässt und er unbeaufsichtigt das gesamte Wohnzimmer für sich hat. Sämtliche Pölster und Decken wurden von der Couch geworfen, um unterm grünen Sessel eine Höhle zu bauen. Dafür wurde die Couch zweckentfremdet, um Inventur in der Malpapierlade zu machen. Für das ungeschulte Auge ist sie nicht mehr zu erkennen, verbirgt sie sich doch unter Schnipseln, Zetteln, halb aufgeschlagenen Büchern und offenen Filzstiften, es ist eine Pracht.

Selbstredend, es wäre pädagogisch wertvoller, den kleinen Übeltäter die Sauerei selbst wieder beseitigen zu lassen. Doch da mein Kopf gleich explodiert, weil ich gedanklich den Streit mit dem Kindsvater wiederkäue, habe ich momentan keine Kapazitäten dafür frei, einen Dreijährigen so lange vollzusudern, bis er bedächtig einen Schnipsel nach dem anderen dorthin zurückbefördert, wo er verdammt nochmal herausgekrochen ist.

In der Puppenküche feiere ich ein Wiedersehen mit sämtlichen Utensilien unserer Küche, hat der Dreijährige doch während unserer Abwesenheit die Besteckschublade geplündert und fein säuberlich zu seinem knetmasseverschmierten Geschirr einsortiert.

Der Mann spaziert mit dem Babysohn auf und ab, beruhigend singt er dabei: „Im Himmel gibt’s kein Bier, drum trinken wir es hier.“ Puppenküche erledigt, Schmutzwäsche einsammeln und zwar zackig, denn der Dreijährige scheint sich im Bad zu schaffen zu machen. Eine dringende Überprüfung seiner dortigen Tätigkeiten ist angezeigt, immerhin hat er vor kurzem – schau Papa, ich hab geputzt – das gesamte Bad mit Babyöl eingeschmiert.

Stinkesocken und vollgekotzte Babysachen in der Wäschetonne, check. Weiter ins Bad, hervorragend, der Dreijährige hat lediglich beide Waschbecken gefüllt und löffelt in aller Seelenruhe Wasser vom einen Waschbecken hinüber ins andere. So mag ich das.

Waschmaschine auf, Stinkezeug hinein. Der Dreijährige heult, er hätte doch die Waschmaschine aufmachen, befüllen und einschalten wollen. Kommentarlos pflücke ich das Zeug wieder heraus und schließe die Waschmaschinentür. Sohn 1 öffnet sie feierlich selber, wurschtelt das Zeug wieder hinein, dreht den Programmknopf 13x im Kreis, lässt sich dann überreden, das richtige Waschprogramm einzustellen, brüllt vor Entsetzen auf, weil ich mir erlaube, die Waschmittellade zu öffnen, weil: selber, eh schon wissen. Schließe die Lade erneut, Sohn 1 öffnet sie feierlich. Gedankenverloren schraube ich das Waschmittel auf, Sohn 1 heult vor Entsetzen… Schließe das Waschmittel erneut. Feierlich öffnet Sohn 1, eh schon wissen. Irgendwann verlasse ich das Badezimmer wieder, in meinen Ohren hat sich ein merkwürdiges Klingeln eingestellt.

Aus dem Wohnzimmer klingt „Im Himmel gibt’s kein Bier“ und ich frage mich kurz, ob das mit der Nonnengeschichte vielleicht gar nicht so blöd gewesen wäre.

Schönes Wochenende!

2 Kommentare zu “Im Himmel gibt’s kein Bier

  1. cloudette sagt:

    hihi :-), erinnert mich stark an hiesige Zustände, wenn der Kleine auch erst 2 ist, aber „AUCH“ (<– selber machen) ist hier ebenfalls hoch im Kurs. Und das Chaos produzieren auch ausschließlich Vater und Sohn. Ich nie. Versteht sich.

  2. Späte Rache folgt! Wenn der Sohnermann Mann ist und auch noch Papa……………….

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