Men-schen-fleisch!!!

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29. März 2013 von evakarel

brüderJ., Mutter einer 6-Monate alten Tochter, fragt mich, wie man denn bittesehr ZWEI Kinder schupfe, um Himmels Willen.

Weil’s naheliegend wirkt, seufze ich schwermütig. Ein Hintertürchen, um bemitleidenswert zu sein? Mein Ego jubelt begeistert. In meinem Kopf mache ich kurz Inventur. Wie war das damals mit 8-Monate altem Sohn 1? Wie geht’s mir vergleichsweise jetzt mit einem Dreijährigen und einem 5-Monatigen?

Mir dämmert: Gut! Gut geht’s mir! Wie das?!?

Alleine mit Baby schickte sich die Decke regelmäßig an, sich in Richtung meines Schädels abzusenken. Das Konzept „Frau allein mit Baby“ funktionierte für mich nicht, nein, es machte mich irre. Unsere erste Zeit als Eltern war holprig – alles war so neu und die Tage zogen sich zuweilen wie zäher Strudelteig. Dabei hatte ich doch ‚Glück‘: Der Mann an meiner Seite und ich konnten uns mit dem Söhnchen abwechseln. Doch wie machen das Mütter in klassischen Familienkonstellationen? Also mit Vollzeit abwesendem Vater? Ich liebte diese kleine Laus, doch gleichermaßen lechzte nach Gesprächen mit Erwachsenen, nach Hirnarbeit, nach babyfreier Zeit, nach Projekten. Und ich fühlte mich ausgesprochen elend dabei, das schlechte Gewissen war mein steter Begleiter.

Heute, mit zwei Kindern, ist es zweifellos anstrengend. Doch ich sitze nicht mit  Baby tagein, tagaus da, füttere, wechsle Windeln und beobachte mein Hirn langsam dabei, wie es zu verdunsten scheint. Nein, die Tage sind laut, chaotisch, bunt. Ich genieße die Zeit mit diesem kleinen Freundchen tatsächlich, während sein großer Bruder im Kindergarten ist. Um 14h holen wir das größere Früchtchen ab und verlagern den Fokus auf den Dreijährigen, den ich dank fünfstündiger Abwesenheit wieder richtig gern habe. Weil der Kindsvater und ich außerdem (meistens) ein eingespieltes Elternpaar sind, machen wir fliegende Betreuungswechsel, jeder von uns hat sowohl Verantwortung, als auch Raum für kinderlose Aktivitäten. Wir haben dazugelernt. Unser zweites Kind ist ein Segen.

Dieser Segen hat übrigens etwas Neues auf Lager. Ständig streckt er die Ärmchen horizontal von sich, reißt Augen und Mund weit auf und grapscht gierig in der Gegend herum. „Ich! rieche! Men-schen-fleisch!!!“ vertone ich hilfsbereit, während seine Babyhände meine Ohren schnappen und mein Gesicht zu seinem ziehen. Alles klar, jetzt geht also die Kannibalen-Action wieder los. Wild kaut er auf meinem Kinn herum, bis mein gesamter Unterkiefer mit Babysabber tapeziert ist. Der ältere Bruder kommt vorbeigehüpft, der Babysohn reißt sich ruckartig von mir los und streckt die Ärmchen fordernd in seine Richtung. Ich springe auf, kreische „Men-schen-fleisch!!!“ und verfolge den älteren Bruder kichernd wie eine Hexe. Er wirft sich lachend auf den Boden, ich senke das grapschende Baby langsam auf ihn herunter. Der Babysohn schnappt sich begeistert des Bruders Locken und tapeziert auch ihn in liebevollster Kleinarbeit mit Babyküssen, während sich das Opfer auf dem Boden windet und irgendwann ermattet liegen bleibt.

Harrrr! Erlegt!

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