Haus oder Wohnung?

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1. Februar 2013 von evakarel

tanzanieErzählt mir doch bitte, warum ihr Häuser baut, falls ihr denn Häuser baut. Und falls ihr Häuser baut: Wo stellt ihr sie hin? Es ist nämlich so: Den Mann an meiner Seite und mich beschäftigt das Thema – nun ja, sagen wir – ein klitzekleines Bisschen. Wir sehen das nämlich dezent unterschiedlich, unsere Standpunkte zeigen sich zuweilen gegenseitig fassungslos an die Stirn tippend den Vogel.

Der Mann möchte gern nach abgeschlossenem Studium zurück in die heimatliche Pampa und dort wenn möglich irgendwann ein Bauernhaus lukrieren. Mit glücklichem Glanz stürmt er zuweilen auf mich zu und ruft mir aufgeregte Erkenntnisse zu: „Eine Kuh! Wir sollten unbedingt eine Kuh haben!“ Beim Leeren des Kompostkübels betrauert er die noch nicht zugegene Sau, der er dereinst seine Kartoffelschalen zu kredenzen gedenkt. Auch überaus erfreuliche Assoziationsketten sind dabei. So saß ich ihm zB Sohn 2 stillend gegenüber, sein Blick streifte uns kurz, kurz darauf sinnierte er, er möchte unbedingt das Käsen lernen. Herzlichen Dank.

„Ein Wald! Unbedingt muss auch ein Wald her! Ich schlag unser Feuerholz selbst!“ juchzt es mir entgegen. Ich nicke verständnisvoll, während ich einen Berg vollgekotzte Babywäsche sortiere. „Schatzi, ich will ja nicht klugscheißern, aber könnte es eventuell sein, dass die Gaudi etwas Arbeit mit sich bringen würde?“ Nein nein, erwidert er fest. Das müsse man nur strategisch gut einfädeln.

Ich für meinen Teil finde die Natur super und ich pflanze auch gern mein Gemüse selbst an. Allerdings bin ich dabei vollauf mit einem Balkon, der an einer Mietwohnung dranhängt, zufrieden. Das Konzept, es sei wichtig, diese Dinge selbst zu besitzen, erschließt sich mir irgendwie nicht und ich wäre dankbar, wenn ihr mir auf die Sprünge helfen würdet. Ich sehe stets die andere Seite der Medaille. Wie sehr Besitz bzw. jahrzehntelange Kreditrückzahlungen binden können. Und wie sehr sich das auf’s Arbeiten niederschlägt, doch dazu ein andermal.

Also: Wie seht ihr das?

11 Kommentare zu “Haus oder Wohnung?

  1. Bianca sagt:

    Ich könnte dir nur sagen, warum wir kein Haus bauen (oder noch nicht), wobei die Frage wohl niemals endgültig geklärt werden wird 😀 Lg Bianca

  2. Wolfgang Stieger sagt:

    Hallo liebe Eva,
    ich habe deine Zeilen aufmerksam gelesen und mir das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen können, da ich von der ferne betrachtet, beide Seiten der Medaillie sehen kann und auch beide Seiten schon ausprobiert habe. So würde ich euch beiden folgendes raten, versucht doch einmal eine kleine „Probefahrt“ in jede Richtung zu unternehme. Schließlich handelt es sich um eine weitreichende Entscheidung die man nicht mal so nebenher trifft und ein Auto würdet ihr ja auch nicht kaufen ohne es gesehen zu haben. So wird sich sicherlich die Möglichkeit bieten, wenn man ein bischen sucht, es deinem Lebenspartner zu ermöglichen das er einmal 14 Tage im Holzberg mitarbeitet, ich sag absichtlich 14 Tage da eine Woche zu kurz ist um es zu spühren und zu sehen was alles dranhängt, bis das fertige Scheit in den Ofen wandern kann. Die Augen wird es dir auf jeden Fall öffnen, egal in welche Richtung gesehen und wenn es der bedachte Umgang mit diesem wertvollen Gut ist. Genau so sollte er es auch ausprobieren das Leben auf einem Hof zu bestreiten und schnell wird er sehen, wenn man alles für sich selber machen möchte, hat man keine Zeit mehr auch an nur irgendetwas anderes zu denken, denn ein Tier oder ein auch nur kleiner Hof hat keinen Standby-Knopf. Ich für mich kenne keinen Bauer der noch die Zeit findet für Fitness, Urlaub oder sonst eine Beschäftigung welche die Konsumgesellschaft auch betreibt. Für dieses Leben muss man auf die Welt gekommen sein und es lieben mit all seinen Abstrichen und natürlich auch Vorzügen. Wenn man an die Kinder denk, den eigenen inneren Frieden, das volkommene fehlen eines Vorgesetzten usw. ist es natürlich sehr verlockend allerdings ist das kein Job den man hinschmeisst wenn man keine Lust mehr hat sondern eine Entscheidung wie man sein Leben führt! Leben sollte man dort wohin einen das Herz und dann erst der Verstand trägt und wenn ich Kinder aufziehen will, wäre der letzte Ort den ich wählen würde eine Stadt. Für mich gebietet das die Logik doch man kann bei dieser Entscheidung nicht nur zwischen Schwarz und Weiss wählen, es läßt sich ja auch deine und seine Vorstellung vereinen. Eine mir bekannte Familie hat sich ein kleines Bauernsacherl gemietet, wobei man soetwas sehr günstig bekommt wenn man sich um alles anfallende selber kümmert. Er arbeitet für 20 Wochenstunden als Schulbusfahrer und sie ist Psychologin in Steyer und betreut für 40 Wochenstunden ihre Patienten. Sie haben einen Sohn mit vier Jahren und einen Hund. Die ganze Familie ist glücklich, hab ich zumindestens den Eindruck also es gibt auch eine andere Möglichkeit als ganz oder gar nicht! Ich hoffe ich konnte euch ein bischen helfen mit meinen Zeilen und wünsche euch Zufriedenheit denn das ist das Einzige was wirklich wichtig ist und gemeinsam kann man sich immer einer perfekten Lösung zumindestens annähern!

    Liebe Grüße
    Wolf

  3. Nina sagt:

    was für ein wundervoll amüsanter und zugleich ernster Text!
    Ich kann mich extrem gut in euer „Dilemma“ hineinversetzen, da mein Traum sich zu ca 70-80% mit dem deines Mannes deckt. Und das jetzt bitte nicht falsch verstehen 😉
    Die landwirtschaftliche Fläche hätt ich ja schon und die klaren Vorstellungen und teilweise das Wissen… und eine Familie die mir im Nacken sitzt, die Äcker (noch) nicht geben will und mich fragt „bist wahnsinnig geworden? Völlig irre? Weißt du was das für eine Hackn ist? Wir haben extra die Landwirtschaft aufgegeben weil wir nicht wollten dass deine Eltern oder dein Onkel das mal machen müssen und jetzt kommst du daher und willst Schafe züchten? Du hast ja keine Ahnung und nicht einmal die landwirtschaftlichen Geräte. Wo tust denn die Schafe hin im Winter? Geh und such dir einen Bauern und heirate den wennst unbedingt einen Bauernhof haben willst“ (Zitat: Oma). Hallo Klischee…
    „Ja verdammt, ich will!“ sag ich darauf jedes Mal. Und ich wills wirklich. Irgendwannn, wenn ich das Startkapital und das nötige knowhow und die Praxis hab. Oder ich wills dann eben nicht mehr. Wenn ich mal einen Sommer auf einem Bauernhof gearbeitet habe. Vielleicht begegene ich dann grinsend meiner Oma und sag ihr: „Oma, du hattest soooo recht, das ist nix für mich“ und zurück kommt ein „hallelujah, das Kind ist endlich vernünftig geworden“ oder ich setz meinen Traum tatsächlich um. Kenn Leute, Freunde meines Onkels, die es auch ohne vererbte Landwirtschaft und ohne Agrarstudium zu anerkannten Biobauern geschafft haben weil sie denselben Traum hatten, daran geglaubt haben und offen für Neues waren.
    Ich glaub Träume muss man leben und es zumindest versuchen. Und was soll ich sagen, mein Mann träumt mehr von seiner eigenen Bastler-Werkstatt für Oldtimer als davon Biobauer zu werden. Zitat: „das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen aber wenn du unbedingt Schafe und Sonnenblumen züchten möchtest, dann solltest du das tun. Ich werd dir sicher nicht im Weg stehen und dich wie bei allen Dingen so gut wie möglich dabei unterstützen weil ich will, dass du deine Träume lebst. Solang ich dafür nicht Bauer werden muss…“ Smile 🙂 Schön dass wir uns übers Träume haben einig sind auch wenns nicht dieselben sind 😉
    Aber zurück zum Thema. Vielleicht hilfts euch für die Entscheidung ja auch weiter wenn dein Mann ein intensiveres ländliches Praktikum absolviert falls er das nicht schon hat (was für dich sicher nicht easy wär wegen euren süßen Zwergen, eh klar)? Und vielleicht gibts ja mehrere „Spinner“ wie wir, die davon träumen, es alleine jedoch nur schwer umsetzen können und die sich für ein gemeinsames Projekt zusammenschließen wo sich jeder mit seinem Wissen und seinen Tieren/Pflanzen einbringen kann? Quasi eine Art Bauernhof.Gmbh 😉
    Und ja, mir ist schon klar dass man, wenn man Tiere hat, seeeehr früh aufstehen muss und daher dort auch leben sollte…. aber vielleicht findet sich eines Tages der Ort/die Stadt wo zB eine Wohnung für euch und ein Arbeitsplatz-ums-Eck für dich und den Mann vorhanden ist. Dann hättest du vielleicht nicht die volle Verpflichtung für den Hof und er auch nur mit seinem Anteil. Und klar, wenn man Familie hat, hat man eine enorme (finanzielle+)Verantwortung die dann doch beide Partner betrifft… Hmm… Also ich hab leider keine Ahnung ob das umsetzbar ist oder doch zu weit hergeholt.
    Ich kann dir nur eines aus Erfahrung sagen: die Entscheidungen, bei denen das Bauchgefühl wohl und warm war und mein Herz offen, die waren bis jetzt immer die Richtigen und da waren die damit oft verbundenen Anstrengungen, die in den Momenten wie Mount Everests gewirkt haben, im Nachhinein betrachtet eh nur Großglockners weil sie sich im Laufe der Zeit relativiert haben. Aber klar, auch ein Großglockner muss erstmal erklommen werden 😉
    Ich drück dich jedenfalls ganz fest und schick dir ein Bussi :-*

  4. Margot sagt:

    Das Umfeld muss passen!
    Ich träume von einem lieben Häuschen, dass ich mir nicht selber baue, aber an dem ich noch basteln und doktoren kann, bis es meinem eigenen Charakter entspricht. Ich freue mich auf eine Balkontür, die direkt von der Küche in meinen Garten führt, wo ich frische Kräuter für mein leidenschaftliches Kochen ernten kann. Ich freue mich auf eine Hundehütte vor der Haustüre, auf eine selbstgebaute Schaukel und einen tollen Grillplatz, wo ich mit meiner Familie schöne Sommertage verbringen kann und nie wieder überfüllte Schwimmbäder zum Opfer fallen muss 🙂 Tja, so sieht die Vorstellung aus. Der richtige Partner und das dazu passende Umfeld ist aber die Voraussetzung für die Umsetzung dieses Traums. Ohne Familie und Freunde in der Nähe könnte sich dieser Traum für mich möglicherweise zu einem goldenen Käfig entwickeln! Bin aber gespannt, wie für euch diese Reise ausgeht …

  5. Agnes sagt:

    Also wir haben ja gerade intensiv mit Häuschen, Wohnungen und anderem Eigentumszeug zu tun gehabt. Und ich kann schon mitfühlen, wenn du da finanzielle Bedenken hast. Ich und mein Schatz sind beide Vollverdiener, der Schatz in einer Branche, die viel mehr Geld abwirft, als ich mir jemals für meinen Job erträumen könnte. Trotzdem hats grade mal zu einer Wohnung gereicht und das nur, wenn wir auch die nächsten 20 Jahre minimum auch eine gute Anstellung behalten. Und ich stell mir halt vor, dass man nur das eine oder das andere machen kann, normaler Job oder Bauer, beides gleichzeitig klappt nur bei den wenigsten. So vom Arbeitsaufwand her. Und es ist ja wie schon erwähnt nicht leicht. Man hängt sich selbst schon recht an mit sowas. Wenn du ein freiheitsliebender Mensch bist, schwierig für dich. Ein Kompromiss, zB Häusl mit großem Garten und nur ein oder zwei Tieren am Land darfs nicht sein?

    • evakarel sagt:

      hallo!
      für mich könnts durchaus auch ein kompromiss wie zb. ein häusl mit garten und ein paar tieren sein. ich schließe aber auch die bauernhofvariante nicht aus. ebensowenig wie ich eine wohnung ausschließe. für mich ist das umfeld irgendwie so nebensächlich im vergleich zu dem, WOMIT ich meine Zeit verbringen möchte.
      zum glück haben wir viel zeit – bis zur schulpflichtigkeit unseres älteren sohnes bleiben wir sowieso noch in wien (also noch 3 jahre) und bis dahin wird sich schon etwas herauskristallisieren.
      eben genau diese 20jahre bindung an kreditrückzahlungen von denen du geschrieben hast, sind meine horrorvorstellung! Da bekomm ich gleich keine Luft mehr!
      wir werden sehen 🙂

  6. LinaLuna sagt:

    Also, ich wohne auch zur Miete, aber wenn ich könnte (finanziell) würde ich alles geben für ein freistehendes Haus.
    Ich kann Dir eine meiner Lieblingsbloggerinnen ans Herz legen, die mit ihrem Liebsten vor über einem Jahr ein wunderschönes Holzhaus gebaut hat und darin superglücklich ist:
    Alles ökologisch wertvoll und der Bau ging wohl auch super-easy…
    http://blauerhibiskus.wordpress.com/category/hausbau-holzhutte/

  7. […] zum finanziellen fehlt (no, kein link zur klassismus-diskussion). und auch bei der fragen haus oder wohnung wär ich auf der seite von großstadt und […]

  8. stilhaeschen sagt:

    Tja, die Frage ist ja nicht nur „mieten oder kaufen“ sondern auch noch „Stadt oder Land“, und da wird’s kniffelig (ich frag mich ja selbst oft genug, ob wir unseren Kindern nicht mehr Idylle „schuldig sind“).
    Aber zum Finanziellen: Wenn man so hochrechnet,was man über 20,30 Jahre so an Miete zahlt und daß man das auch in etwa denselben monatlichen Raten an die Bank zahlen könnte, dafür aber ist die Wohnung irgendwann Deins – dann wär’s sicher nicht dumm, sich fürs Kaufen (erstmal nur einer Wohnung?!) zu entscheiden. Ist ja auch, Achtung Spießeralarm, vermutlich sicherer als Rente. Zumal (bestimmt auch in A) steuerlich interessanter, feste Einnahmen vorausgesetzt (also ca. ab drei Jahre Arbeitsleben). Trotzdem ist auch mir beim Gedanken daran echt und ehrlich mulmig (fest binden! Feste Raten! Bank!), ich versteh Dich also total. Ich kann mich auch nicht dafür entscheiden, denke mir dann aber: für Mann und Kinder hab ich mich auch für ewig entschieden, scheiß drauf. Zur Not kann man Besitz auch weitervermieten. Was ich aber sicher nie machen würde: zur Bank gehen und mich binden, obwohl ich dem Konstrukt Zusammenleben nicht ewig gäbe. DAS fände ich persönlich echt heikel.

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